Spitzengespräch Handwerk und Kirchen

Nachricht 05. Dezember 2005

„Im Grunde genommen sind wir in den Kirchengemeinden auch Handwerker, indem wir uns vor Ort um die Bedürfnisse unserer ‚Kunden’ kümmern“, dieses Resümee zog der Präsident des Landeskirchenamtes Hannover, Eckhart von Vietinghoff, am Dienstag nach einem Gespräch der führenden Repräsentanten des niedersächsischen Handwerks mit dem Rat der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Zu der Begegnung in Hannover hatten der Vorsitzende des Rates, der Oldenburger Bischof Peter Krug, und der Vorsitzende des Landesarbeitskreises Handwerk und Kirchen in Niedersachsen, Landessuperintendent Eckhard Gorka aus Hildesheim, eingeladen.

Von den Repräsentanten des Handwerks und der Kirchen wurde übereinstimmend der Umfang der Schattenwirtschaft in Deutschland kritisiert, der rund 350 Milliarden Euro und damit ungefähr 15% des Bruttoinlandsproduktes umfasst. „Durch die Schwarzarbeit werden dem Staat nicht nur Steuern und Versicherungsbeiträge entzogen, sondern auch die Handwerksbetriebe massiv geschädigt, die Arbeits- und Ausbildungsplätze bereitstellen und damit für reguläre Beschäftigung in unserem Land sorgen“, hob Kurt Rehkopf, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, hervor. Die von der neuen Bundesregierung angekündigte Mehrwertsteuererhöhung werde dieses Problem noch verschärfen. Einig zeigten sich die Kirchen und das Handwerk in der Frage, dass ein reduzierter Mehrwertsteuersatz für handwerkliche Leistungen einen Nachfrage- und Beschäfti-gungsimpuls für den Wirtschaftsbereich auslösen würde. In fast allen Mitgliedsländern der Europäischen Union seien mit diesem Versuch für das Handwerk positive Effekte zu verzeichnen gewesen, legten die Vertreter des Handwerks dar. Lediglich in Deutschland und Dänemark finde die Einführung eines derartigen Modellversuches von Seiten der Politik bislang keine Unterstützung.

Inhaltliche Übereinstimmung zeigte sich bei den Teilnehmern des Spitzengespräches auch in der Ablehnung einer völligen Freigabe der Ladenöffnungszeiten. „Es muss noch einen Tag in der Woche geben, in der der Mensch und die Familie im Mittelpunkt stehen, und das ist der Sonntag“, betonte der Bischof der Braunschweigischen Landeskirche, Friedrich Weber. Eine zunehmend auf den Konsum ausgerichtete Gesellschaft stehe in der Gefahr, ihre eigenen religiösen und kulturellen Werte unwiederbringlich aus den Augen zu verlieren, so Weber. Zwar genieße der Sonntag derzeit noch einen gesetzlichen Schutz, aber es sei notwendig, einer schleichenden Aushöhlung der Sonn- und Feiertagsruhe entgegen-zuwirken. Zudem habe die kontinuierliche Verlängerung der Ladenöffnungszeiten keineswegs zu einem Anstieg der Beschäftigtenzahlen im Einzelhandel und zu steigenden Umsätzen geführt. „Wir müssen in unserer Gesellschaft den Familien und Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken“, machten die Vertreter des Handwerks und der Kirchen deutlich und hoben hervor, dass eine unbegrenzte Freigabe der Ladenöffnungszeiten genau diesem Ziel zuwiderlaufen würde.

Hannover, 02.12.2005


Kontaktadresse: Landesarbeitskreis Handwerk und Kirchen in Niedersachsen, Geschäftsführerin Karola Schmidt, Archivstraße 3, 30169 Hannover, Telefon: 0511/1241-461, Fax: 0511/1241-499, E-Mail: schmidt@kirchliche-dienste.de