Landeskirche Hannover verleiht Fundraising-Preise

Nachricht 28. November 2005

Wolfsburg (epd). Für ihre Spendenwerbung ist die Bahnhofsmission Osnabrück am Montag mit dem Fundraising-Preis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ausgezeichnet worden.
Landesbischöfin Margot Käßmann überreichte am Abend im Planetarium in Wolfsburg an vier Preisträger Gutscheine in einem Gesamtwert von 8.000 Euro.
Der Preis wurde zum ersten Mal vergeben. 42 Kirchengemeinden, Stiftungen und Vereine hatten sich an der Ausschreibung beteiligt.

Der zweite Preis ging an die Kirchengemeinde Flachsmeer in Ostfriesland. Zur Finanzierung eines neuen Gemeindehauses gab sie als "Aktien" Dachziegel aus, die den Namenszug des Spenders tragen. Den dritten Preis erhielt die "Kindertafel" der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Lüneburg, die Kindern aus sozial benachteiligten Familien täglich ein warmes Mittagessen und Hausaufgabenhilfe anbietet. Die St.-Laurentius-Stiftung in Müden an der Oertze, die viele Dauerspender gewinnen konnte, wurde mit dem vierten Preis ausgezeichnet.

Der Fundraising-Beauftragte der Landeskirche, Pastor Paul Dalby, sagte, der Preis sei ausgeschrieben worden, um das professionelle Werben um Spenden zu unterstützen. Die Kirchengemeinden seien immer mehr darauf angewiesen. Die Preise wurden als Gutscheinpunkte für 3.500, 2.000, 1.500 und 1.000 Euro vergeben. Für diese Beträge können die Preisträger Schulungen und Literatur zum Fundraising kaufen.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3802/28.11.05)
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Die Bahnhofsmission macht sich in der Stadt bekannt
Landeskirchlicher Fundraising-Preis geht nach Osnabrück

Von Martina Schwager (epd)

Osnabrück (epd). Die Bahnhofsmission in Osnabrück ist Spitze - offenbar auch, was das Anwerben von Spenden angeht. Die Mitarbeiter verteilen Visitenkarten mit aufgedruckter Kontonummer, Grußkarten zu Weihnachten oder 2.000 Ostereier zu Ostern. Die Leiterin schreibt Dankesbriefe an Sponsoren und verschenkt Rosen an die Mitarbeiter. Für diese Fülle kreativer Ideen und den vorbildlichen Umgang mit Ehrenamtlichen hat die Bahnhofsmission am Montag den ersten Preis in einem kirchlichen Fundraising-Wettbewerb bekommen.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers hatte den mit insgesamt 8.000 Euro dotierten Preis erstmals ausgelobt. 42 Initiativen hatten sich beworben. Die Bahnhofsmission bekommt 3.500 Euro, die sie wieder in ihr Fundraising investieren soll.

Seit zweieinhalb Jahren ist Heike Becker Leiterin der zu gleichen Teilen vom evangelischen Kirchenkreis und der Caritas getragenen Bahnhofsmission. Seitdem kommt die Einrichtung nicht mehr so angestaubt daher. "Die Osnabrücker haben das Image der Bahnhofsmission gekippt. Die sind richtig flott und jugendlich", meint Ingrid Alken vom Fundraising-Team der Landeskirche.

"In Zeiten knapper Kassen sind wir mehr denn je auf Spenden angewiesen. Und wenn wir Sponsoren gewinnen wollen, müssen wir Öffentlichkeitsarbeit machen." Heike Becker ist eine energische, tatkräftige Frau. Die 75-Jahr-Feier im vergangenen Jahr hat sie kurzerhand auf den Tag des Dampflokfestes im Osnabrücker Bahnhof
vorverlegt: "Wenn die Leute sowieso da sind, müssen wir uns präsentieren. Eine Woche nach dem Großereignis wäre doch keiner mehr zu uns gekommen."

Sie hat die Bahnhofsmission im NDR-Fernsehen präsentiert, hat Hörfunk-Interviews gegeben, hat Chorauftritte in der Bahnhofshalle oder Benefizkonzerte und Kollektensammlungen in Kirchen organisiert. Die Kreuzweg-Pilger machten am Karfreitag Station. "Die Leute sollen sehen, wie wichtig wir sind und dass wir nicht die Kellerkinder sind", sagt Becker.

Sie lädt Gruppen aus Kirchengemeinden ein und informiert in Schulklassen über ihre Arbeit. Kindergartenkinder kommen zum Frühstück, wenn sie den Bahnhof besichtigen. Unter anderem aus Spendenmitteln wurde ein täglich geöffneter Raum der Stille eingerichtet. Einmal pro Monat gibt es dort "Fünf-vor-Zwölf-Andachten". "Der Raum wird so gut genutzt, da würde sich mancher Pastor freuen", sagt die 57-Jährige lachend.

Die eigentliche Arbeit geht unterdessen weiter. Durchschnittlich zwei Mitarbeiter pro Schicht betreuen immer mehr Dauergäste - die meisten arbeitslos, obdachlos, psychisch krank. "Die Zahlen haben sich in diesem Jahr auf etwa 900 Besuche pro Monat verdoppelt. Deshalb darf jetzt jeder Besucher nur noch einmal am Tag kommen", sagt Becker. Dazu kommen bis zu 1.500 Hilfestellungen pro Monat im Bahnhof.

Der Trubel um die jüngsten Aktionen ist kaum verklungen, da arbeitet die Leiterin schon an neuen Ideen. Sie will verstärkt Jugendgruppen zum Besuch der Bahnhofsmission einladen. Und sie möchte einen Förderkreis gründen: "Man kann ja nie wissen - vielleicht braucht man noch mal ein weiteres Standbein."

(epd Niedersachsen-Bremen/b3783/28.11.05)
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