Landesbischöfin: Merkel soll als Frau authentisch bleiben

Nachricht 22. November 2005

Berlin/Hannover (epd). Die evangelische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, hat der neuen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geraten, als Person authentisch zu bleiben und "nicht das Amt zu werden". Als Frau werde sie genauer beobachtet als ihre männlichen Vorgänger, sagte Käßmann in einem epd-Gespräch in Berlin. "Viele Männer fragen sich: Schafft die das?", vermutete Käßmann.

Um Autorität zu gewinnen, müsse eine Frau bessere Leistungen erbringen als ein Mann. Auch die Medien stellten höhere Ansprüche, etwa an das Aussehen. Jeder Versprecher werde gleich als Schwäche ausgelegt, hat Käßmann beobachtet.

Nach Auffassung der Bischöfin sind Frauen in der Entscheidungsfindung häufig pragmatischer und weniger emotional als Männer. Merkel habe in den zurückliegenden Wochen Standvermögen bewiesen. "Von den emotionalen Ausbrüchen der Männer lässt sie sich nicht irritieren", so Käßmann. Außerdem arbeiteten Frauen nicht "pyramiden-, sondern netzwerkförmig". Das bedeute, dass mehr Menschen ihre Entscheidungen unterstützten.

Sie wünsche Merkel aber einen kleinen Kreis von Vertrauten, "wo sie ins Unreine reden und ablassen kann", sagte Käßmann. Noch immer könnten viele mit einer Frau als Chefin nicht umgehen. Die Unterschiede in den Bildern zwischen einem Kanzler und einer Kanzlerin seien nicht zu unterschätzen. "Endlich wird unser Verfassungsgrundsatz von der Gleichberechtigung erkennbar", freute sich Käßmann.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3721/22.11.05)
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