Forscher heben Urkundenschatz des Klosters Loccum

Nachricht 17. November 2005

Hannover (epd). Die rund 2.000 Urkunden im Archiv des Klosters Loccum bei Nienburg sollen erfasst und zum Teil im Internet veröffentlicht werden. Der nahezu unangetastete Bestand aus Pergament und Papier vom 12. Jahrhundert an sei "ein wahrer Schatz für die Wirtschafts- und Sozialgeschichte Nordwestdeutschlands", erklärte Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, am Donnerstag in Hannover. Der evangelische Abt zu Loccum, Horst Hirschler, begrüßte die Förderung des Vorhabens durch die Stiftung.

Das Zisterzienserkloster nördlich von Hannover wurde 1163 gegründet. Päpste und Kaiser haben seine Privilegien mit Urkunden und Siegeln bestätigt. Für die Sozialgeschichte aufschlussreicher sind nach Angaben des landeskirchlichen Archivdirektors Hans Otte etwa die zahlreichen Schenkungsurkunden. Der frühere hannoversche Landesbischof Hirschler erklärte dazu: "Jeder schenkte, weil er in den Himmel kommen wollte." Viele Städte und Dörfer seien zum ersten Mal in Loccum urkundlich erwähnt.

Einzigartig sei die Vollständigkeit der Urkunden in Loccum, sagte Otte. Die meisten anderen Klöster hätten ihren Bestand an Staatsarchive abgeben müssen. Vieles sei verbrannt oder verloren gegangen. In Loccum fehle allerdings die Gründungsurkunde des Klosters: Sie war im Zweiten Weltkrieg nach Hannover ausgelagert und ist dort verbrannt. Die älteste Urkunde stammt von 1173. Um 1600 wurde das Kloster lutherisch.

Nach Angaben des Kirchenhistorikers Otte hatte das Kloster auch Streubesitz jenseits von Bremen und bei Meißen. Zur Wirtschaftsgeschichte längs der Weser gehöre, dass freie Bauern von ihren Höfen verdrängt wurden und die Mönche das Land mit Leibeigenen bewirtschafteten. Sprachwissenschaftler könnten aus unterschiedlich geschriebenen Ortsnamen feststellen, ob eine Siedlung fränkischen oder sächsischen Ursprungs sei.

An dem Vorhaben beteiligt sich das Institut für historische Landesforschung in Göttingen. Die Wissenschafter wollen in fünfjähriger Arbeit ein Urkundenbuch mit Erläuterungen für die lateinischen und niederdeutschen Dokumente erstellen. Nach der Digitalisierung sollen einzelne Urkunden auch ins Internet gestellt werden. Die Volkswagenstiftung gibt dafür zunächst 133.000 Euro aus seinem "niedersächsischen Vorab". (epd Niedersachsen-Bremen/b3663/17.11.05)


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