Von Vietinghoff: Europa braucht die Kirchen

Nachricht 17. November 2005

Aurich (epd). Die Europäische Union (EU) ist nach Ansicht des hannoverschen Präsidenten des Landeskirchenamtes Eckhart von Vietinghoff auf die Kirchen angewiesen. Die EU sei eine aus einer Wirtschaftsgemeinschaft entstandene politische Gemeinschaft. Sie werde durch eine gemeinsame Kultur zusammengehalten, die vom jüdisch-christlichen Erbe geprägt sei, sagte der Jurist am Mittwochabend in Aurich beim Buß- und Bettagsempfang des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland.

"Trotz der politischen Krise in der EU leben die Europäer in den glanzvollsten Epoche des Kontinents", betonte von Vietinghoff. Kriege unter den 25 Mitgliedsstaaten seien unmöglich geworden. Zu oft werde das vergessen, weil es schon so lange Frieden gebe. Zwar werde es nie ein europäisches Volk geben, doch würde kein Einwohner leugnen, ein Europäer zu sein.

"Europa ist mehr als nur ein möglichst effektiver Wirtschaftsstandort", sagte von Vietinghoff. Eine Gesellschaft müsse sich daran messen lassen, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Darum sei die EU auf das kritische Korrektiv der Kirchen mit ihrer Sensibilität für ethnische und religiöse Minderheiten angewiesen. Werde dieses außer Acht gelassen, drohten Zustände wie derzeit in Frankreich, sagte der Präsident.

Den Kirchen riet von Vietinghoff, sich stärker als bisher in die europäischen Prozesse einzubringen. "Europa ist schon lange kein exklusiv christliches Abendland mehr." Die von Christen gelebte "versöhnte Verschiedenheit" sei ein für Europa taugliches Modell. (epd Niedersachsen-Bremen/b3657/17.11.05)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen