Aus Bußtagspredigten

Nachricht 16. November 2005

Landesbischöfin ruft zu Verantwortung für arme Länder auf

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat die Deutschen dazu ermutigt, mehr Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Diese dürfe nicht an den Grenzen Europas enden, sagte Käßmann in ihrer Buß- und Bettagspredigt am Mittwoch in der Marktkirche in Hannover. Zwar gebe es auch in Deutschland Missstände: Kinder wüchsen in Armut auf und Menschen litten unter Arbeitslosigkeit. Dennoch dürfe niemand die Augen vor dem verschließen, was in der Welt geschehe.

"Nur allzu gern wenden wir den Blick vom Elend dieser Welt ab", sagte die Bischöfin. Als Beispiele nannte sie die Dramen von Krieg, Hunger und Aids in Afrika sowie Kälte, Krankheit und Tod in Kaschmir. "Wenn dann Menschen in grenzenloser Wut alle Grundregeln des Zusammenlebens über den Haufen werfen, Autos anzünden, randalieren, können wir sie eben nicht als Gesindel mit dem Hochdruckreiniger von den Straßen fegen", betonte Käßmann in Anspielung auf ein Zitat des französischen Innenministers zu den Jugendunruhen.

Weiter sagte die Bischöfin, Deutschland brauche nicht nur handelnde Politiker, sondern auch engagierte Bürger, eine aktive Zivilgesellschaft und Freiwilligendienste aller Art. Der Bußtag lade auch zu Dankbarkeit dafür ein, in einem Land ohne Naturkatastrophen, mit Freiheit und in Demokratie leben zu dürfen: "Aber wir werden eben auch ermutigt, auf die Mauern zu schauen, mit denen wir unseren Wohlstand abschotten." Jeder könne sich für gerechten Handel und faire Preise einsetzen, statt Geiz für geil zu erklären und Billigprodukte anzubeten.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3646/16.11.05)
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Spieckermann ruft zu Besinnung und Neuorientierung auf

Hannover (epd). Die hannoversche Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann hat am Buß- und Bettag zur Besinnung und Neuorientierung aufgerufen. An diesem Tag solle sich jeder Einzelne fragen, welchen Anteil er am Bösen in der Welt habe, sagte die evangelische Regionalbischöfin am Mittwoch in einer Dialogpredigt mit dem grünen Politiker Stefan Wenzel in der Neustädter Kirche in Hannover. Dazu zählten Hass, Gewalt, Übervorteilung und Menschenverachtung.

Wenzel, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, sagte, das Böse im Alltag definiere sich oft über Gesten, ein böses Wort hinter dem Rücken des Anderen oder ein Gerücht, das weitergegeben werde. Manchmal fehle auch die nötige Offenheit in der Partnerschaft oder am Arbeitsplatz: "Manchmal ist es auch nur die halbe Wahrheit im Wahlkampf oder im Plenum", sagte der Politiker.

Spieckermann sagte, die Gesellschaft habe im Zuge des Fortschrittsoptimismus geglaubt, das Böse im Menschen lasse sich überwinden: "So, als müssten wir nur besser erziehen, mehr aufklären oder bessere soziale Bedingungen entwickeln." Viele Menschen seien jetzt erschrocken und hilflos, wenn Terroristen meinten, das Reich des Bösen identifizieren zu können und sich berufen fühlten, es auszurotten. Es stelle sich die Frage, ob es für die Gesellschaft nicht dringend nötig sei, sich damit auseinanderzusetzen, was das Böse eigentlich sei.
(epd Niedersachsen-Bremen/b3651/16.11.05)

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