Diakonie-Präsident: Programm "Soziale Stadt" muss weiterentwickelt werden

Nachricht 09. November 2005

Berlin, den 8.November 2005. "Wir brauchen zur Stabilisierung von gefährdeten Wohngebieten ein ganzes Bündel von sozialen und baulichen Maßnahmen, um die Abwärtsentwicklung von Stadtteilen zu Sozialen Brennpunkten zu verhindern und so den sozialen Frieden in den Städten und Gemeinden nachhaltig zu sichern", so Dr.h. c. Jürgen Gohde, Präsident des Diakonischen Werkes der EKD. "Dazu bedarf es einer Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Gemeinden, die auch von der Wirtschaft und insbesondere den Wohnungsunternehmen sowie den Verbänden und Kirchen unterstützt wird."

Angesichts der dramatischen Ereignisse in den französischen Vorstädten fordert der Diakonie-Präsident Bund, Länder und Gemeinden auf, ihre Bemühungen zur nachhaltigen Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen in sozialen Brennpunktgebieten zu intensivieren. Auch in deutschen Städten besteht die Gefahr, dass benachteiligte Wohngebiete von der Stadtentwicklung abgehängt werden und die dort lebenden, zum Teil bereits ausgegrenzten Menschen den Anschluss an gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen verlieren. Die Überwindung von Arbeitslosigkeit, die Integration von Migranten, Investitionen in Bildung und Jugendhilfe sowie die Sicherung der Wohnungsversorgung sind Schlüsselbereiche, die nicht in erster Linie in den Stadtteilen gelöst werden können.

Die Diakonie appelliert an die Verhandlungsführer in den Koalitionsgesprächen, insbesondere das Programm `Soziale Stadt` mit den entsprechenden Begleitprogrammen auf hohem Niveau fortzuführen. "Diese Programme haben dazu beigetragen, dass es in den letzten Jahren vielerorts gelungen ist, gezielt städtebauliche Maßnahmen in Kombination mit sozial- und beschäftigungswirksamen Projekten in gefährdeten Wohngebieten umzusetzen und den Menschen in den Quartieren neue Hoffnungen zu geben", so Gohde. Zusammen mit der betroffenen Bevölkerung seien vor Ort Stadtteilinitiativen und Netzwerke aus allen relevanten Bereichen entstanden, die Negativentwicklungen zumindest stoppen konnten. "Der Bund muss sich hier in verschiedenen Politikbereichen weiter engagieren, die Kommunen alleine sind unter dem sozialen Aspekt überfordert."

Die Diakonie als Träger von Sozial- und Gemeinwesenarbeit in Sozialen Brennpunkten und gefährdeten Stadtteilen trägt dazu bei, dass in diesen Siedlungen Beratungs- und Hilfenetze bestehen. In einer Vielzahl von Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Familien unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft sind Ansprechpartner vor Ort, die zur Stabilisierung von Nachbarschaften beitragen. Die verschiedenen Fachdienste der Diakonie wirken in diesen Gebieten im Verbund mit anderen Trägern als Unterstützer und Mittler.In unterschiedlichen Projektbereichen sind lokale Arbeits- und Beschäftigungsinitiativen gestartet worden, die im Wohngebiet Arbeitsmöglichkeiten schaffen und Versorgungslücken schließen.

Diakonie bringt für die Arbeit vor Ort nicht unerhebliche Eigenmittel ein. "Es ist unser Ziel, die Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen und zu stärken, und gemeinsam mit ihnen ihre Interessen zu vertreten. Hier kann Diakonie zusammen mit den Kirchengemeinden ein wichtiger Brückenkopf sein, wenn sie sich über den Einzelfall hinaus für das Gemeinwesen öffnet und wenn sich Gemeinden als Ort der Kommunikation und Verständigung im Sinne einer `Herberge für alle` verstehen," so Präsident Gohde.

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Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.
Barbara-Maria Vahl
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