Kirche will Bündnisse für Bildung gegen Armut

Nachricht 03. November 2005

Hannover (epd). Evangelische Sozialwissenschaftler wollen den Zusammenhang von Armut und mangelnder Bildung aufbrechen, wie er aus den jüngsten PISA-Ergebnissen hervorgeht. "Regionale Bündnisse für Bildung gegen Armut" lautet ein Vorschlag, den das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag in Hannover vorgestellt hat.

In der Studie fordert der Sozialwissenschaftler Jürgen P. Rinderspacher, Jugendeinrichtungen, Schulen, Arbeitgeber, Gewerkschaften und Kirchen müssten in ihrer Region dafür zusammenarbeiten. Gemeinsam könnten sie ein soziales Umfeld gestalten, in dem Kinder ermutigt werden und Erfolge erfahren. In dem Bündnis sollten Industrie- und Handelskammern das Engagement von Unternehmen koordinieren. Gedacht sei nicht nur an deren finanzielle Beiträge, sondern daran, das Interesse von Jugendlichen für Arbeit und Beruf zu wecken.

Institutsdirektor Gerhard Wegner sagte dem epd, er sehe gute Chancen für eine solche Beteiligung von Unternehmen: "In der Wirtschaft besteht ein großes Interesse, für die Zukunft qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern." Das gegenwärtige Bildungssystem fördere die Perspektivlosigkeit und damit die Armut: "In der Schule werden Kinder immer wieder damit konfrontiert, dass sie etwas nicht können", kritisierte Wegner.

In der Studie heißt es, Bildungsarmut und Einkommensarmut verstärkten einander negativ. So verfestige sich die Armut ganzer Bevölkerungsschichten. Das widerspreche allen Ansprüchen auf Chancengleichheit. Abhilfe sieht der Autor Rinderspacher in gezielten Fördermaßnahmen, die der Lage vor Ort gerecht werden. Kirchen, Jugendeinrichtungen, Arbeitgeber und andere könnten ihre Räumlichkeiten und Kontakte in solche regionalen Bündnisse einbringen.

Zuerst müssten die besonderen Ursachen von Armut vor Ort geklärt werden, etwa ob es sich um Probleme der Einkommensarmut, der gesellschaftlichen Schicht oder der Zuwanderung aus dem Ausland handelt. Dann sollten gezielt die besonderen Fähigkeiten benachteiligter Kinder und Jugendlicher gefördert werden, um sie zur Selbsthilfe zu befähigen. Mit Erfolgserlebnissen und im Kontakt mit Freiwilligen, mit Unternehmen und Handwerk sollen sie Perspektiven zum Durchhalten und Weiterlernen entwickeln.

Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD will mit Tagungen und weiteren Initiativen für solche regionalen Bündnisse werben. "Es ist eine wirkliche Zukunftsfrage, wie wir in Bildung investieren", sagte Wegner. Auch in der Öffentlichkeit müsse deutlich werden, wie notwendig die Förderung unterprivilegierter Kinder und Jugendlichen für die Zukunft des Landes sei. Vor Ort könnten Kirchen als Initiatoren und Moderatoren wirken. (epd Niedersachsen-Bremen/e3460/03.11.05)

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