Gericht weist Lüdemann-Klage gegen Versetzung ab

Nachricht 03. November 2005

Leipzig/Göttingen (epd). Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat die Klage des evangelischen Theologen Gerd Lüdemann gegen seine Zwangsversetzung durch die Göttinger Universität abgewiesen. Damit darf der 59-jährige Professor, der sich nach eigenen Angaben vom Christentum losgesagt hat, nicht auf seinen früheren Lehrstuhl für Neues Testament zurückkehren, entschieden die Richter am Donnerstag. Lüdemann äußerte sich gegenüber epd enttäuscht über das Urteil. Er kündigte aber an, seine Arbeit in Göttingen fortzusetzen. (Az. BVerwG 2 C 31.04)

Zur Begründung verwies das Gericht darauf, dass Professoren einer theologischen Fakultät ein konfessionsgebundenes Amt ausübten. Dafür sei nur geeignet, wer sich dem entsprechenden Bekenntnis verpflichtet fühle. Die Universität sei berechtigt und verpflichtet, ihren Lehrbetrieb nur mit geeigneten Professoren zu organisieren. Im vorliegenden Fall hätten sowohl die evangelischen Kirchen und die Theologische Fakultät als auch Lüdemann selbst festgestellt, dass es keine gemeinsame Grundlage mehr gebe.

Lüdemann war 1998 von der Universität versetzt worden, nachdem er sich vom christlichen Glauben losgesagt hatte. Mit seiner Klage wollte er erreichen, dass die Versetzung zurückgenommen und ihm eine theologische Prüfungserlaubnis gewährt wird. Auf Fragen des Gerichts bestätigte Lüdemann, dass er kein Christ mehr sei. Gleichwohl könne er auch heute "zu 95 Prozent" das weiter lehren, was er schon vor seiner Versetzung als Professor für Neues Testament unterrichtet habe.

In der Verhandlung sagte Ministerialrat Hans-Dietrich Weiß vom Bundesinnenministerium, Lüdemann könne sich nicht einerseits privat vom Christentum lossagen und andererseits bei der konfessionsgebundenen Ausbildung evangelischer Theologen mitwirken. Er verglich den Hochschullehrer mit einem Funktionär der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP).

Im Fall von kommunistischen Funktionären sei bereits Ende der 70er Jahre entschieden worden, dass dem Staatsdienst keine "Persönlichkeitsspaltungen" zuzumuten seien. Deshalb sei die im Einvernehmen mit den evangelischen Kirchen in Niedersachsen beschlossene Versetzung des Professors auf einen Speziallehrstuhl für "Geschichte und Literatur des frühen Christentums" richtig. Die Universität Göttingen nannte die Versetzung des Professors einen gelungenen Kompromiss, der sehr teuer sei. (epd Niedersachsen-Bremen/b3494/03.11.05)

Sieben Jahre Rechtsstreit um Theologieprofessor Lüdemann
Göttingen (epd). Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am Donnerstag in letzter Instanz darüber verhandelt, ob die Universität Göttingen dem Theologie-Professor Gerd Lüdemann zu Recht seinen alten Lehrstuhl "Neues Testament" entzogen hat. Der Rechtsstreit darüber dauert schon sieben Jahre. Lüdemann ist seit 1983 Professor in Göttingen.

Nachdem sich der Wissenschaftler in Büchern und Interviews vom christlichen Glauben losgesagt hatte, verfügte die Hochschule Ende
1998 im Einvernehmen mit der evangelischen Kirche, dass Lüdemann statt seines früheren Faches das neu eingerichtete Fach "Geschichte und Literatur des frühen Christentums" vertreten muss. Es ist nicht konfessionsgebunden und für die Ausbildung der Theologen nicht verbindlich. Außerdem strich die Universität die Stelle eines für Lüdemann arbeitenden wissenschaftlichen Assistenten.

Nach mehreren Verfahren hatte das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht im vergangenen Jahr die Rechtmäßigkeit der Versetzung bestätigt. Das Gericht ließ aber eine Beschwerde Lüdemanns gegen dieses Urteil zu. Darüber hatte nun das Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden. Auch eine Verfassungsbeschwerde des 59-Jährigen ist noch anhängig. Mit seinen Initiativen vor den Gerichten will Lüdemann nach eigenen Worten auch erreichen, "dass der rechtliche Status der theologischen Fakultäten in Deutschland auf den Prüfstand kommt".

Lüdemann hat seine publizistischen Aktivitäten und öffentlichen Äußerungen bisher nicht eingeschränkt. In Seminaren und Veranstaltungen kritisierte er Teile des Neuen Testaments als antisemitisch. Zuletzt erschien von ihm im vergangenen Herbst das Buch "Die Intoleranz des Evangeliums." (epd
Niedersachsen-Bremen/b3442/03.11.05)
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