"Luther"-Inszenierung in der Marktkirche begeistert Hannoveraner

Nachricht 30. Oktober 2005

Von Ulrike Millhahn (epd)
Hannover (epd). Margot Käßmann ist sich völlig sicher: "Der Reformationstag ist keine verstaubte Erinnerung, sondern er kann schwungvoll und würdig zugleich begangen werden", sagt die hannoversche Landesbischöfin. Auch wenn die Reformation fast 500 Jahre her sei, blieben Martin Luthers Gedanken von der Freiheit eines Christenmenschen und von der persönlichen Verantwortung aktuell. Wie Recht sie damit hat, war am Sonntag, am Vorabend des Reformationstages, in Hannovers Marktkirche zu sehen.

In der knapp 90-minütigen Gala "...Luther!" mit Theater, Musik und Talk konnte hautnah erlebt werden, wie der Reformator dem Kaiser und der Kirche die Stirn bot und ganz nebenbei die Welt des Mittelalters aus den Angeln hob. Die gotische Hallenkirche mit ihren roten Backsteinen bot dafür den perfekten Hintergrund.

Die Hannoveraner müssen geahnt haben, dass hier etwas Besonderes auf sie zukommt. "Wir hätten locker 3.000 Karten verkaufen können", sagt Ralf Tyra, Geschäftsführer der hannoverschen Hanns-Lilje-Stiftung, die gemeinsam mit der Landeskirche das Projekt auf die Beine gestellt hat. Aufgrund der großen Nachfrage wurden zu den normalen 700 Stühlen noch einmal 150 dazu gestellt - und keiner blieb frei.

Es war die gelungene Mischung aus Historischem und Aktuellem, die die Zuschauer begeisterte und immer wieder bewegte. Theater-Regisseur Peter Ries, der viele Jahre in der Lutherstadt Wittenberg inszeniert hat, setzte mit den jungen Darstellern der hannoverschen Schauspielschule ganz eigene Schwerpunkte. Ohne Kostüm und Maske, im schlichten Schwarz, überzeugten sie mit ihrem intensiven und leidenschaftlichen Einsatz.

Fernsehpastor Jan Dieckmann und "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman gelang es, die Spielszenen geschickt mit Kurz-Interviews zu verknüpfen. Prominente und Nicht-Prominente erzählten, wie sie ihren Glauben im Alltag leben. Neben Bischöfin Käßmann, dem Kirchentagspräsidenten Professor Eckhard Nagel und der Auricher Regionalbischöfin und früheren "Wort zum Sonntag"-Pastorin Oda Gebbine Holze-Stäblein gehörten dazu eine ehrenamtliche Betreuerin von Inhaftierten und ein Arzt, der bei Katastrophen hilft und gerade aus Pakistan zurück ist.

Die professionelle Licht-Gestaltung und vor allem die Musik trugen viel dazu bei, dass zwischen allen Beteiligten die von Regisseur Peter Ries erwünschte Nähe erzeugt wurde, "die nicht kalt lässt, sondern anrührt". Vielleicht sogar das Fernsehen: Ein großer Sender hatte einen Regisseur zur Beobachtung entsandt, um die TV-Tauglichkeit von "...Luther!" zu testen. (epd Niedersachsen-Bremen/b3422/30.10.05)
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