Auf einen Blick (27.10.)

Nachricht 27. Oktober 2005

"Kirchenblock" bei Demo gegen NPD in Göttingen
Göttingen (epd). Bei der Demonstration gegen einen Aufmarsch der rechtsextremen NPD am Samstag in Göttingen wird es einen "Kirchenblock" geben. Die Mitglieder evangelischer und katholischer Gemeinden und Initiativen wollen sich gemeinsam in den Demonstrationszug einreihen, teilten Sprecher mit. Bei der Kundgebung werden der stellvertretende Göttinger Superintendent Martin Steinberg und der evangelische Pfarrer Hans Christoph Stoodt aus Frankfurt am Main für die Kirche das Wort ergreifen.

Die Jüdische Gemeinde Göttingen hat für Sonnabend außerdem eine Mahnwache am Zwangsarbeiter-Mahnmal hinter dem Bahnhof angemeldet. Am Bahnhof will die NPD ihre Demonstration starten. Die Polizei rechnet mit mehreren hundert Rechtsextremisten und einigen tausend Gegendemonstranten. Rund 3.800 Beamte sollen dafür sorgen, dass es zu keinen gewaltsamen Konfrontationen kommt. (epd Niedersachsen-Bremen/b3398/27.10.05)
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Schriftaltäre zwischen Ems und Elbe erforscht
Emden (epd). Unter dem Titel "Die protestantischen Schriftaltäre des 16. und 17. Jahrhunderts in Nordwestdeutschland" ist erstmals ein Buch über die nur im norddeutschen Küstenbereich vorkommenden Kunstwerke erschienen. Das Werk von Dietrich Diederichs-Gottschalk sei eine
kirchen- und kulturhistorische bedeutende Arbeit über die Zeit der Reformation, sagte der Leiter des Kunstreferats der hannoverschen Landeskirche, Hasso von Poser, am Donnerstag dem epd. Das Buch wird am 9. November in der Emder Johannes-a-Lasco-Bibliothek um 19.30 Uhr vorgestellt.

In den lutherischen und reformierten Kirchen zwischen Ems und Elbe seien noch 18 dieser Schriftaltäre aus der Zeit von 1550 bis 1669 erhalten, so von Poser. Die ursprünglich bebilderten katholischen Altäre seien im Laufe der Reformation und des Bildersturms übermalt worden. Anstelle der Gemälde wurden in kalligraphisch gestalteten Schriften Bibelzitate oder Auszüge aus Luther Katechismus auf die Tafeln gemalt.

Der Autor Diederichs-Gottschalk (55) ist Pastor in der Kirchengemeinde Sandstedt bei Bremerhaven. Sein Buch ist der vierte Band der 1998 von der hannoverschen Landeskirche begründeten Reihe "Adiaphora - Schriften zur Kunst und Kultur im Protestantismus". Es kostet 49,90 Euro und ist beim Verlag "Schnell und Steiner" in Regensburg erschienen (ISBN 3795417627). (epd
Niedersachsen-Bremen/b3389/27.10.05)
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Handy von Bischöfin Käßmann für 201 Euro versteigert
Hannover/Osterode (epd). Das alte Handy der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann ist im Internet für 201 Euro versteigert worden. Das Geld sei auf Wunsch Käßmanns an das Netzwerk "Mirjam" in Hannover überwiesen worden, das Frauen in Schwangerschaftskonflikten berät, sagte Initiator Wilhelm Sonntag am Donnerstag. Sonntag ist Mitglied der Synode der hannoverschen Landeskirche.

Das Netzwerk "Mirjam" wurde 2001 von der Landesbischöfin ins Leben gerufen. Zum Projekt gehören ein "Babykörbchen" am hannoverschen Friederikenstift sowie ein Notruf-Telefon. Unter der Nummer 0800-60 500 40 werden Anruferinnen rund um die Uhr beraten.

"Mirjam" arbeitet außerdem eng mit diversen diakonischen Einrichtungen zusammen. Hier werden die Frauen vor und nach der Geburt ihres Kindes betreut, erhalten Wohnmöglichkeiten und berufliche Unterstützung. Das Netzwerk mit seinen Hilfsmöglichkeiten rund um Schwangerschaft und Geburt ist Käßmann zufolge das umfassendste in Deutschland. (epd Niedersachsen-Bremen/b3388/27.10.05)
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Ratgeber zeigt Eltern Wege zur optimalen Kinderbetreuung
Hannover (epd). Die Verbraucherzentralen wollen mit einem Ratgeber "Ihr Kind in guten Händen" Wege zu einer optimalen Betreuung von Klein- und Schulkindern aufzeigen. Eltern könnten etwa mit Hilfe von Checklisten feststellen, welche Angebote einer Einrichtung ihnen besonders wichtig seien, teilte die Verbraucherzentrale Niedersachsen am Donnerstag in Hannover mit. Der Ratgeber vermittele zudem Tipps, wie Eltern Engpässe in der schulischen Betreuung ausgleichen könnten.

Wer Kinder habe, stehe heute vor großen Herausforderungen. Bei der Organisation des Familienlebens stellten sich die Fragen nach der optimalen Obhut und angemessener Förderung. Der Ratgeber soll Eltern mit diesen Anliegen Orientierung und konkrete Lösungen bieten.
Ferientermine, Musterformulare für den Arztbesuch, Erste-Hilfe-Hinweise und Sicherheitstipps für die Praxis sind ebenfalls in dem Buch enthalten.

Der 192-seitige Ratgeber ist in allen Beratungsstellen der Verbraucherzentrale Niedersachsen (Telefon 0511/91196-0) für 9,80 Euro erhältlich (Internet: www.ratgeber.vzbv.de). (epd
Niedersachsen-Bremen/b3391/27.10.05)
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Land verleiht liberalen Juden Körperschaftsrechte
Hannover (epd). Die niedersächsische
Landesregierung hat dem Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Niedersachsen die Rechte einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes zuerkannt. Die Statusänderung sei ab sofort gültig, sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Georg Weßling, am Donnerstag auf Anfrage in Hannover. Als Körperschaft erfüllt der progressiv ausgerichtete Verband eine wesentliche Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Zentralrat der Juden in Deutschland. Bisher war er als eingetragener Verein organisiert.

In dem 1997 gegründeten Landesverband sind sieben liberale jüdische Gemeinden zusammengeschlossen:
Hannover, Hameln, Bad Pyrmont, Göttingen, Celle, Seesen und Wolfsburg. Er erhält den Angaben zufolge seit drei Jahren vom Land Fördergelder von 110.000 Euro pro Jahr. Der Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Jan Mühlstein (München), begrüßte die Entscheidung des Landeskabinetts als "längst überfällig".
Damit bestehe die Möglichkeit, dass die Interessen der progressiven Gemeinden im Zentralrat künftig stärker zur Geltung kämen.

Der niedersächsische Landesverband hat laut Mühlstein bereits vor längerer Zeit eine Mitgliedschaft im Zentralrat beantragt. Der Antrag wurde aber bis zu einer Entscheidung über die Körperschaftsrechte zurückgestellt. In Schleswig-Holstein hätten die Israelitischen Kultusgemeinden ebenfalls in diesem Jahr den Status einer Körperschaft erhalten. Die Union progressiver Juden vertritt bundesweit 19 Gemeinden mit rund 3.500 Mitgliedern.

In Hannover haben sich die liberalen Juden 1995 von der traditionell geführten Einheitsgemeinde und vom traditionellen "Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen" getrennt.
Sie gründeten daraufhin eigene Gemeinden. Ihr jetziger Landesverband ist Mitglied der Weltunion für progressives Judentum. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3393/27.10.05)
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