Landesbischöfin: Kirchengemeinden sollten Profile schärfen

Nachricht 12. Oktober 2005

Celle (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat am Mittwoch in Celle dafür geworben, dass Kirchengemeinden stärker ihr eigenes Profil entwickeln sollten. In Zukunft würden Menschen ihre Kirchengemeinde eher nach deren Angeboten wie Gospel-Musik oder Taizé-Spiritualität als nach dem Wohnort auswählen, sagte Käßmann beim Generalkonvent der 320 evangelischen Pastoren des Sprengels Lüneburg vor Journalisten.

Die Bischöfin trat dafür ein, auch auf die Menschen offen zuzugehen, denen die Kirche fremd geworden ist. "Zugleich ist es wichtig, selbstbewusst um verbindliche Mitgliedschaft zu werben", sagte sie. Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen erläuterte: "Wir müssen so einladend sein, dass auch Menschen, die nur einmal hereinschauen, sich Zuhause fühlen."

Bis zum Jahr 2040 werde die evangelische Kirche rund ein Drittel ihrer Mitglieder verlieren, sagte Jantzen. Die Finanzkraft schrumpfe auf die Hälfte. Zwar bleibe die Gemeindearbeit Hauptaufgabe der Kirche, eine flächendeckende Versorgung könne es dann jedoch nicht mehr geben.

In dieser Situation müsse man Menschen ermutigen, sich zu engagieren, anstatt zu resignieren, sagte Jantzen. "Wir müssen Menschen finden, die das Gemeindeleben auch in den kleinen Dörfern aufrechterhalten." Käßmann fügte hinzu: "Wir müssen in einer veränderten Situation unseren Weg als Kirche des 21. Jahrhunderts finden."

Die Bischöfin sprach sich vehement gegen den Verkauf von Kirchen aus. Es gebe wenige Ausnahmen, doch generell könne sie sich den Verkauf von sakralen Gebäuden nicht vorstellen: "Da geht es um das christliche Erbe, aber auch um ein Kulturgut." (epd Niedersachsen-Bremen/b3256/12.10.05)
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