Landesbischöfin: Europa ist im positiven Sinn ein „Christenclub“

Nachricht 06. Oktober 2005

M ü n c h e n (idea) – Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hält den Begriff „Christenclub“ im Zusammenhang mit Europa nicht für ein Schimpfwort. „Europa ist im positiven Sinn ein Christenclub“, sagte sie im Blick auf Äußerungen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Er hat wiederholt erklärt, die EU müsse die Türkei aufnehmen, wenn sie beweisen wolle, daß sie kein „Christenclub“ sei.

„Vielleicht hat uns Ministerpräsident Erdogan ja mit diesem Begriff einen positiven Anstoß gegeben“, konterte die Bischöfin am 5. Oktober vor der Carl-Friedrich von Weizsäcker-Gesellschaft in München. Käßmann erinnerte daran, daß einst die Briten mit der Parole „Made in Germany“ vom Kauf deutscher Produkte abhalten wollten. Sie erreichten damit jedoch das Gegenteil. Der Slogan wurde zum Qualitätsmerkmal. „Insofern sollten wir vielleicht ein Plakat oder ein T-Shirt entwerfen mit der Aufschrift ‚Ich bin Mitglied im Christenclub’. Ich würde es tragen“, so die Bischöfin. Der Geist von Europa sei geprägt von den Erfahrungen und Werten des christlichen Glaubens: „von Nächstenliebe, den Zehn Geboten, von Gleichheit und Freiheit.“ Diesen Geist gelte es zu erhalten, „nicht in Abschottung, aber mit Selbstbewußtsein“.

Nein zum EU-Beitritt der Türkei
Frau Käßmann bekräftigte zugleich ihr Nein zu einem EU-Beitritt der Türkei. Deren Aufnahme in die vom jüdisch-christlichen Erbe geprägte EU „könnte zum Zusammenbruch führen“. Bei aller Sympathie für die Türkei brauche Europa Grenzen: „Und diese Grenzen wären mit einem Beitritt der Türkei überschritten.“ Je mehr die EU wachse, desto schwieriger werde es, „eine gemeinsame europäische Politik zu betreiben und desto konfliktträchtiger wird die Gemeinschaft“. Zwar habe Europa Raum für eine Vielfalt von Religionen auf dem Boden einer freiheitlichen Verfassung. Daraus leite sich aber nicht ab, daß die Türkei EU-Mitglied sein müsse. Außerdem erfülle die Türkei nicht alle „Clubbedingungen“. So sei die Religionsfreiheit der Christen eingeschränkt. Die Situation der Frauen in der Türkei sei noch „meilenweit“ von den Grundsätzen der Gleichberechtigung entfernt. Das hänge sowohl mit patriarchalen Strukturen als auch mit islamischen Überzeugungen zusammen.

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