Landesbischöfin fordert Bleiberecht für integrierte Flüchtlinge

Nachricht 29. September 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann will sich dafür einsetzen, dass gut integrierte Flüchtlingsfamilien dauerhaft in Deutschland bleiben können. "Mit großer Besorgnis ist zu sehen, dass bei Abschiebungen auch immer wieder Familien getrennt werden", erklärte Käßmann am Donnerstag zum "Tag des Flüchtlings" am Freitag (30. September).

"Es ist kaum nachvollziehbar, dass unser Land aus demografischen Gründen Zuwanderung braucht, aber Kinder und Jugendliche, die sich mit unserem Land identifizieren, hier geboren oder aufgewachsen und gut integriert sind, in für sie völlig unbekannte Kulturen und Länder abgeschoben werden", sagte die evangelische Bischöfin.

Die Kirche strebe eine Altfallregelung an. Diese soll inzwischen in Deutschland beheimateten irregulären Migranten oder abgewiesenen Asylsuchenden nach jahrelanger Duldung aus humanitären Gründen eine Aufenthaltsberechtigung verschaffen. So könne Rechtssicherheit geschaffen und dem Einzelfall Rechnung getragen werden.

Die Bibel verpflichte Christinnen und Christen zum Schutz der Fremden, betonte Käßmann. Kirche und Grundgesetz träten zudem für den besonderen Schutz der Familie ein. Käßmann begrüßte, dass der niedersächsische Landtag im Petitionsausschuss bei Beratungen über Härtefälle inzwischen kompetente Vertreter aus der Kirche und anderen gesellschaftlichen Gruppen hinzuziehe.

Der "Tag des Flüchtlings" wurde 1986 von deutschen Flüchtlingsorganisationen ausgerufen, unter ihnen "Pro Asyl" und die deutsche Sektion von "amnesty international". Anlass waren nach amnesty-Angaben die ersten großen Anti-Flüchtlingsstimmungen in Deutschland. Der Tag wird seither jährlich am Freitag vor dem Erntedankfest begangen und ist Teil der "Interkulturellen Woche". (epd
Niedersachsen-Bremen/b3097/29.09.05)
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