Auf einen Blick (29.9.)

Nachricht 29. September 2005

Profit um jeden Preis – und wo bleibt der Mensch?
Tacheles am 4. Oktober 2005
19.00 Uhr, Marktkirche Hannover
Weitere Informationen: www.tacheles.net

Kirchenpräsident Schmidt warnt vor Steuersenkungen
Leer (epd). Kirchenpräsident Jann Schmidt hat die künftige Bundesregierung vor vorschnellen Steuersenkungsplänen gewarnt. Die Politiker dürften die gesellschaftlichen und diakonischen Aufgaben der Kirchen nicht aus dem Blick verlieren, sagte der theologische Repräsentant der Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer am Donnerstag dem epd.

Das Steuermodell des CDU-Finanzexperten Paul Kirchhof hätte Schmidt zufolge für die 23 evangelischen Landeskirchen und 27 katholischen Bistümer in Deutschland zu rund 2,2 Milliarden Euro weniger Kirchensteuer-Einnahmen geführt. Durch die Koppelung an die Lohn- und Einkommensteuer ist das Kirchensteueraufkommen von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und der Höhe der Lohn- und Einkommensteuer abhängig. Im Jahr 2004 nahmen die 23 evangelischen Landeskirchen 3,7 Milliarden Euro Kirchensteuern ein, rund 300 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. (epd Niedersachsen-Bremen/b3106/29.09.05)
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Fünfter "Nordseelauf gegen Gewalt" mit Bischöfin Käßmann
Cuxhaven (epd). Die hannoversche Landeskirche plant gemeinsam mit dem Touristikverband "Die Nordsee" für das kommende Jahr ihren fünften "Nordseelauf gegen Gewalt". Nach einem Teilnehmerrekord im vergangenen Sommer gebe es vom 17. bis 24. Juni 2006 eine Neuauflage, kündigte der evangelische Urlauberpastor Hartmut Schneider am Mittwoch in Cuxhaven an. Auch Landesbischöfin Margot Käßmann wolle bei der Aktion unter dem Motto "Mach nicht halt - Lauf gegen Gewalt" aktiv dabei sein.

Im vergangenen Juni hatten 3.000 Läufer mindestens eine von acht Teilstrecken zwischen Wilhelmshaven und Cuxhaven absolviert. Mit seinen Etappen an der Küste, auf Inseln und im Watt sei das Ereignis einmalig in Deutschland, sagte Schneider. Höhepunkt sei der letzte Abschnitt von der Insel Neuwerk mit einem Abstecher durch das Watt nach Cuxhaven gewesen.

Im kommenden Jahr soll der Lauf in Dangast gestartet werden und über das Wangerland, Juist, Greetsiel, Langeoog, Bremen/Dorum, Bremerhaven und Neuwerk wiederum nach Cuxhaven führen. Käßmann will laut Schneider die Etappe auf der Insel Langeoog laufen. Mit seinem Motto will der 2002 erstmals veranstaltete Nordseelauf an die Dekade des Weltkirchenrates zur Überwindung von Gewalt erinnern. (Internet: www.nordseelauf.de).
(epd Niedersachsen-Bremen/b3093/28.09.05)
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Straffälligenhilfe gibt Kalender 2006 heraus
Celle (epd). Die christliche Straffälligenhilfe "Schwarzes Kreuz" hat einen neuen Kalender für das Jahr 2006 herausgebracht. Der Wochenkalender "Weiter sehen" hat auf 53 Seiten heraustrennbare Foto-Postkarten mit Texten aus der Bibel sowie Gedichten und Gebeten, teilte das "Schwarze Kreuz" am Mittwoch in Celle mit.

Um den Kalender für Gefangene zu finanzieren, ruft das "Schwarze Kreuz" zu Spenden auf. Unter dem Motto "1+1" bezahle jeder, der für 10 Euro zuzüglich Versandkosten einen Kalender bestelle, damit zugleich ein Exemplar für einen Gefangenen. Der Versand beginnt Mitte Oktober.
(Bestellungen unter Telefon (05141) 94616-0, Fax (05141) 94616-26 oder E-Mail info@Schwarzes-Kreuz.de)
Das "Schwarze Kreuz" arbeitet seit 1925 als Einrichtung der christlichen Straffälligenhilfe. Heute engagieren sich bundesweit nach eigenen Angaben mehr als 400 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Gefangenen. Das "Schwarze Kreuz" ist dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angeschlossen und Mitglied in der Evangelischen Konferenz für Straffälligenhilfe. (epd Niedersachsen-Bremen/b3091/28.09.05)
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Vom Bischof zum Gemeindepastor: Pastor tauscht Rollen - Reinhard Keding kehrte aus Namibia nach Norddeutschland zurück
Von Martina Schwager (epd)
Bad Laer/Kr. Osnabrück (epd). Zwölf Jahre war er Bischof, jetzt ist er wieder Gemeindepastor: Der Theologe Reinhard Keding ist Mitte September aus Namibia im südlichen Afrika zurückgekehrt und hat ein Pfarramt in Bad Laer bei Osnabrück übernommen. Für ihn selbst ist der Rollenwechsel kein Problem, sagt der 57-Jährige: "Nach unserem evangelischen Verständnis vom Amt ist Bischof eine Aufgabe und keine Haltung. Also bin ich jetzt wieder das, was ich eigentlich bin: Pastor."

Seit 1993 leitete Keding die deutschsprachige Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia. Eine Arbeit unter ganz besonderen Bedingungen: Von der Hauptstadt Windhoek, wo der Bischof seinen Sitz hat, sind es 600 Kilometer bis zur nördlichsten Gemeinde und 800 bis zur südlichsten. Die 7.000 deutschstämmigen Gläubigen sind in 14 Gemeinden über das ganze Land verteilt. In Bad Laer betreut Keding jetzt 2.600 Gemeindeglieder und zwei Kirchen, die zehn Kilometer voneinander entfernt sind. "Es ist sehr reizvoll, wieder zur Kernarbeit der Kirche zurückzukehren."

Namibia hat Spuren in seinem Leben hinterlassen. Auch wenn der 57-Jährige äußerlich so wirkt, als sei er im ländlich geprägten norddeutschen Kurort Bad Laer ein Alteingesessener: Blasse Hautfarbe, dunkelgraue Hose, hellgraues Hemd und graue Weste. Doch innerlich ist er oft noch weit weg: Ihn nervt es, wenn die Leute sich hier über Nichtigkeiten aufregen. In Namibia werde man ständig mit Armut, Aids, Kriminalität und Rassendiskriminierung konfrontiert. "Hier streiten sich die Leute doch nur über die Sahne. Dort ist selbst das Wetter eine Existenzfrage."

Die Lutherische Kirche in Namibia ist ähnlich wie ein Verein organisiert, berichtet der Ex-Bischof: "Man muss ihr beitreten und Mitgliedsbeiträge zahlen. Alles andere kommt über Spenden und Basare rein." Die Kirche habe mit einem starken Rückgang der Mitgliederzahlen zu kämpfen. "Die Kirche ist in den letzten 30 Jahren um die Hälfte geschrumpft."

Auch deshalb hat Keding die Ausbildung von Laienpredigern sehr stark vorangebracht und die Zusammenarbeit mit den beiden viel größeren schwarzen lutherischen Kirchen gefördert: "Man muss in Namibia viel mehr tun, wenn man die Leute halten und die Kirche als solches erhalten will."

Die Aufgabe als Bischof war nicht seine erste in Namibia. Von 1977 bis 1989 war er als Gemeindepastor schon einmal für zwölf Jahre dort. Danach war er vier Jahre am Missionsseminar in Hermannsburg bei Celle, wo er auch seine Ausbildung absolviert hatte. 1993 ging er erneut nach Namibia, wo ihn die Gemeinden zum Bischof wählten. Die Familie, seine vor fünf Jahren verstorbene Frau und die fünf Kinder, waren immer dabei. Mittlerweile gehen die Kinder ihre eigenen Wege in Namibia oder in Deutschland.

Vor kurzem hat Reinhard Keding zum zweiten Mal geheiratet. Seine Frau und deren Kinder sind mit ihm nach Bad Laer gezogen. Hier steht für ihn erst einmal viel Besuchsarbeit an. "Ich muss die Leute kennen lernen und hören, was nötig ist." Die Konfirmandenarbeit und die Kommunikation in der Gemeinde sieht er als Hauptaufgaben an.
Seine Erfahrungen als Bischof in Afrika werden ihm bei seiner neuen Aufgabe nützen, sagt er: "Es ist hilfreich, wenn man gelernt hat, mit dem auszukommen, was man erwirtschaftet hat, und nicht immer auf Unterstützung durch die Landeskirche baut." (epd
Niedersachsen-Bremen/b3084/29.09.05)

Stichwort: Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia
Osnabrück (epd). Die Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia ist eng verbunden mit der Arbeit der Rheinischen Mission. 1842 kamen die ersten rheinischen Missionare über Südafrika ins Land. Im Zuge der Kolonisierung Namibias durch Deutschland von 1883 bis 1915 wurden die ersten deutschsprachigen Gemeinden gegründet, die erste 1896 in Windhoek.

Bis Mitte der 1960er Jahre wurden die meisten der heute 14 deutschsprechenden Gemeinden von Missionaren der Rheinischen Mission betreut. 1960 schlossen sie sich zur selbstständigen Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südwestafrika (DELK) zusammen. Ihr Partner ist seit 1961 die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Pastoren von Deutschland nach Namibia sendet. Die Kirche hat heute rund 7.000 Mitglieder.

1992, zwei Jahre nach der Unabhängigkeit Namibias, änderte die DELK ihren Namen und nannte sich fortan "Evangelisch-Lutherische Kirche in Namibia/DELK". Der neue Name soll die gemeinsame Glaubensgrundlage mit den beiden schwarzen lutherischen Kirchen Namibias hervorheben. Das angehängte Kürzel verweist auf die deutschen Ursprünge der Kirche. Alle drei Kirchen arbeiten im namibischen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes zusammen. (epd Niedersachsen-Bremen/b3085/29.09.05)
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Band befördert Spenden für Orgel-Renovierung
Göttingen (epd). Ein "Förder-Band" für Spenden hat die evangelische St.-Jacobi-Gemeinde in Göttingen in ihrer Kirche installiert. Das von einem Physiker konstruierte Band verbinde den Eingangsbereich im "Erdgeschoss" der Kirche mit der Orgelempore, teilte die Gemeinde am Donnerstag mit. Oben stehe eine große Orgelpfeife als Sparbüchse. Jede Münze, die auf dem von einer Handkurbel angetriebenen Band nach oben befördert werde, falle dann "mit lautem Plumps" in das Metallgehäuse. Auf diese Weise solle die Renovierung der Orgel gefördert werden.

Zuvor hatte die St.-Jacobi-Gemeinde bereits zu "Patenschaften" für Prospektpfeifen ihrer renovierungsbedürftigen Kirchenorgel aufgerufen.
Die Spender können Patenschaften für eine einzelne Pfeife, für eine Oktave oder für ein ganzes Register übernehmen. Sie erhalten im Gegenzug eine Urkunde, eine Spendenbescheinigung und auf Wunsch eine "namentliche Verewigung" auf der renovierten Orgel.

Geld für die Arbeiten will die Gemeinde auch mit der Konzertreihe "Bach für die Orgel" einnehmen. Bis zum Jahresende sollen alle Werke aufgeführt werden, die Johann Sebastian Bach für die Orgel komponiert hat. Die Renovierung des von dem Orgelbauer Paul Ott gebauten Instrumentes kostet insgesamt rund 360.000 Euro (Internet: www.jacobikantorei.de).
(epd Niedersachsen-Bremen/b3098/29.09.05)
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