Auf einen Blick (28.9.)

Nachricht 28. September 2005

Größte Solaranlage auf Kirchendach nimmt Betrieb auf
Seckenhausen/Kr. Diepholz (epd). Die derzeit größte Solarstromanlage auf einem deutschen Kirchendach wird zum Erntedankfest am Sonntag in Seckenhausen bei Bremen eingeweiht. "Von diesem Tag an können wir Sonnenlicht ernten", sagte der evangelische Pastor Dirk von Jutrczenka als Initiator der Anlage dem epd. Auf 400 Quadratmetern Kirchendach sollen 260 Solarmodule rund 31.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen. Damit könnten zwölf Einfamilienhäuser mit Strom versorgt werden.

Die Kirchengemeinde speist die Energie von Sonntag an in das öffentliche Stromnetz ein und erhält dafür in den nächsten 20 Jahren einen Festpreis. "Das Gesetz für erneuerbare Energien kam unseren Plänen sehr zugute", sagte Kirchenvorstands-Vorsitzender Bernd Drücker, der seit 2003 mit den Planungen beschäftigt ist.

Die gesetzlich garantierte Abnahme bewegte den Kirchenkreis Syke-Hoya im März dieses Jahres dazu, sich mit einem Darlehen von 180.000 Euro an der voll kreditfinanzierten Anlage zu beteiligen.
Weitere 50.000 Euro tragen rund 40 Anleger aus ganz Deutschland, die seit Juli "Seckenhauser Sonnenscheine" für jeweils 250 Euro kauften. Die restlichen Gelder für die 250.000 Euro teure Anlage kamen durch Zuschüsse der Landeskirche sowie Spenden zusammen.

Besucher können sich am Sonntag zwischen einem Erntedank-Gottesdienst um 14.30 Uhr und einem Festvortrag um 17 Uhr an Ständen über die Solarenergie und das örtliche Umweltzentrum informieren. (epd Niedersachsen-Bremen/b3079/28.09.05)
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Das aktuelle Stichwort: Erntedankfest
Hannover (epd). Mit dem Erntedankfest erinnern Christen im Herbst an den engen Zusammenhang von Mensch und Natur. Preußen legte den Tag 1773 auf den ersten Sonntag nach dem Michaelisfest, das ist meistens der erste Sonntag im Oktober, in diesem Jahr der 2. Oktober. So ist es in der evangelischen Kirche bis heute üblich. Das Fest will deutlich machen, dass der Mensch die Schöpfung nicht in der Hand hat und auf Gott angewiesen bleibt. Der Dank in den Gottesdiensten gilt deshalb in erster Linie der Vielfalt des Lebens und der täglichen Nahrung.

Traditionell werden dabei die Altäre mit Feldfrüchten festlich geschmückt: Kürbisse, Gurken, Kartoffeln oder Möhren. In jüngerer Zeit werden auch Produkte der Industriegesellschaft einbezogen. Auch Kindern soll das Erntedankfest die Zyklen des Jahreslaufes und der Nahrungsproduktion bewusst machen. Es soll zeigen, dass die Milch nicht aus der Tüte und Gemüse nicht aus der Dose kommt.

Der Mensch ist nach der Bibel selbst Teil der Schöpfung. Die Themen Umweltzerstörung und Gentechnik spielen daher beim Erntedankfest eine immer größere Rolle. Zugleich wird an die Hungerkatastrophen in den ärmsten Ländern der Erde und an die Millionen unterernährter Kinder weltweit erinnert.

Gott für die Ernte zu danken, gehörte zu allen Zeiten zu den religiösen Grundbedürfnissen. Die Juden feiern im Herbst das Laubhüttenfest mit Zweigen und Palmwedeln. In der Kirche wird das Erntefest seit dem dritten Jahrhundert begangen. Im Mittelalter war sein Termin örtlich verschieden: Die einen richteten sich nach der Kornernte, andere nach der Weinernte. Die katholische Kirche kennt keinen festen Erntedanktag. In der russisch-orthodoxen Kirche werden die Erstlinge der Ernte in der ersten Augusthälfte geweiht. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3076/28.09.05)
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Ministerium strebt Verbot für Sterbehilfe-Vermittlung an
Hannover (epd). Nach der Gründung des Sterbehilfe-Vereins "Dignitas-Deutschland" in Hannover strebt das niedersächsische Justizministerium ein Verbot für die wiederholte Vermittlung von aktiver Suizidhilfe an. "Die Gefahr liegt in einem professionellen Angebot, das den Tod zu einem Geschäft macht", sagte eine Sprecherin am Mittwoch vor Journalisten in Hannover. Das Ministerium prüfe zurzeit mit welchen Mitteln dies unter Strafe gestellt werden könne.

Die 1998 in der Schweiz gegründete Organisation "Dignitas" hat nach eigenen Angaben bisher 453 schwerstkranke Menschen mit dem hoch dosiertem Schlafmittel Natriumpentobarbital bei ihrem Suizid unterstützt. 253 von ihnen reisten dafür aus Deutschland in die Schweiz. Dort steht die Suizidhilfe nicht unter Strafe, sofern sie nicht aus selbstsüchtigen Beweggründen heraus geschieht. "Dignitas" hatte am Montag in Hannover ihre erste Zweigstelle außerhalb Zürichs gegründet.
Generalsekretär Ludwig A. Minelli kündigte an, Sterbewillige in die Schweiz vermitteln zu wollen.

Ministeriumssprecherin Jutta Rosendahl sagte, vorstellbar sei eine Initiative für ein Bundesgesetz, in dem ein Straftatbestand für regelmäßig vermittelte Suizidhilfe formuliert und ein Strafmaß festgesetzt werden müsse. Sie warnte zugleich vor Panikmache: "Wir wollen weder zu Spekulationen noch zu Vorverurteilungen aufrufen."

Solange der Verein Hilfesuchende nur berate, könne er weder observiert noch strafrechtlich verfolgt werden. Erst bei einer Straftat wie dem Besitz von Natriumpentobarbital, das in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, könne die Polizei tätig werden. Das Sozialministerium gab an, in engem Kontakt mit dem Justizministerium zu stehen.

Die niedersächsische Justizministerium Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hatte sich am Dienstagabend besorgt über "Dignitas" geäußert. "Die organisierte Förderung von Selbstmord kann nicht toleriert werden", erklärte sie: "Mit dem Leid anderer Menschen macht man keine Geschäfte, schon gar nicht wenn es um deren Leben geht." Eine "Einbahnstraßenberatung", bei der es nur darum gehe, den Betroffenen möglichst problemlos zum Tod zu verhelfen, sei ethisch verwerflich. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3082/28.09.05)
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Urlauberseelsorge an der Küste zieht positive Bilanz
Aurich (epd). Urlauberpastor Pastor Hartmut Schneider aus dem ostfriesischen Aurich hat eine positive Bilanz der vergangenen Saison in der Touristenseelsorge gezogen. "Das schlechte Wetter hat noch mehr Menschen als sonst in die Zeltkirchen auf den Campingplätzen geführt", sagte er am Mittwoch dem epd. Schneider ist Geschäftsführer des Kirchlichen Dienstes in Freizeit, Erholung und Tourismus an der Nordseeküste.

Besonders beliebt sei in diesem Jahr der Reisesegen für abfahrende Familien gewesen, sagte Schneider. Zunächst sei das Ritual mit Gebet, Lied und Handauflegen nur am Sonnabend geplant gewesen. Doch wegen der großen Nachfrage sei schließlich täglich der Reisesegen gespendet worden.

Mehr als hundert Männer und Frauen zwischen 18 und 68 Jahren haben laut Schneider in den Sommermonaten für das Projekt "Kirche unterwegs"
auf Campingplätzen und als Freizeithelfer auf den ostfriesischen Inseln ehrenamtlich gearbeitet. Erstmals sei auf allen Plätzen ein Tagebuch geführt worden, dem zufolge allein auf den sechs Zeltplätzen im Weser-Ems-Gebiet rund 7.000 Menschen die Angebote der Ehrenamtlichen wahrgenommen haben.

"Wir bekommen weit mehr Anfragen von den Plätzen, als wir bedienen können", sagte Schneider. Die Mitarbeiter der Kirche seien erfolgreich, weil sie mit familienorientierten Angeboten unter den Campern präsent seien und auf in Wohnwagen mit auf den Plätzen lebten. Angesichts der sinkenden Kirchensteuern könnten die Angebote allerdings voraussichtlich nicht auf andere Plätze ausgeweitet werden. "Wir sind personell und finanziell an unsere Grenzen gelangt", sagte Schneider. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3081/28.09.05)
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