Auf einen Blick (27.9.)

Nachricht 27. September 2005

Ethik-Zentrum erwartet Rechtsstreit um Suizidbeihilfe
Hannover/Loccum (epd). Nach der Gründung des Sterbehilfe-Vereins "Dignitas-Deutschland" in Hannover erwartet das Zentrum für Gesundheitsethik der hannoverschen Landeskirche einen langen Rechtsstreit um die Beihilfe zum Suizid. Die Vereinsgründung diene offensichtlich dem Ziel, einen Präzedenzfall durch die gerichtlichen Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof zu begleiten, sagte Pastor Ralph Charbonnier am Dienstag in Hannover. Auch die Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag äußerten sich besorgt über "Dignitas".

Auf dem Klageweg solle der Anspruch auf ärztliche Suizidbeihilfe als Ausübung des Rechtes auf Selbstbestimmung durchgesetzt werden, sagte Charbonnier. Er bezeichnete die Gründung als "Signal für Not und unhaltbare Zustände", die gesehen und angegangen werden müssten. Eine Selbsttötung sei für schwerstkranke Menschen aber der falsche Weg. Nötig sei es, diese Menschen zu begleiten und die Hospizbewegung sowie die schmerzlindernde Palliativmedizin zu stärken.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen, Meta Janssen-Kucz, sieht "Dignitas" in der "negativen Tradition der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, die mit fragwürdigsten Methoden Menschen zum Suizid verholfen hat". Viele Menschen wendeten sich aus Angst vor einem sehr schmerzvollen Sterbeprozess an solche Organisationen, weil sie ein langsames und leidvolles Siechtum befürchteten. Janssen-Kucz forderte, das von der Landesregierung in Auftrag gegebene Gutachten zur Verbesserung der palliativmedizinischen Versorgung schneller umzusetzen.

Die Schweizer Sterbehilfe-Organisation "Dignitas" hatte am Montag in Hannover ihre erste Zweigstelle außerhalb Zürichs gegründet. Sie hat nach eigenen Angaben in den vergangenen sieben Jahren 453 schwerstkranke Menschen mit einem hoch dosierten Schlafmittel bei ihrem Suizid unterstützt, unter ihnen 253 aus Deutschland. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3066/27.09.05)
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Diakonie: Bedarf an psycho-sozialer Unterstützung wächst
Hannover (epd). Immer mehr Menschen werden nach Ansicht des hannoverschen Diakoniepastors Walter Lampe künftig psycho-soziale Unterstützung brauchen, um Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Die Begleitung von Menschen, die dauerhaft ohne Arbeit in ihrem Leben einen Sinn finden müssen, werde zunehmend eine Aufgabe für die Diakonie, sagte Lampe am Freitag vor Journalisten in Hannover. Jeder fünfte Hannoveraner sei inzwischen von Armut betroffen.

In manchen Beratungsstellen verzeichne man eine Steigerung der Klientenzahlen von 30 Prozent, betonte Lampe, der das Diakonische Werk des Stadtverbandes Hannover leitet, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2004. Hilfebedürftige Menschen erwarteten zu Recht individuelle diakonische Dienstleistungen: "Zeit nehmen und Zeit geben ist ein essentieller Bestandteil der Diakonie", sagte Lampe. Es sei hoch problematisch, dass in Zeiten dramatisch wachsender sozialer Not alle Zuschussgeber kürzen wollten. Dazu zählten Stadt, Land, Region, Bund und Kirche.

In der Jugendhilfe müsse der Schwerpunkt darin bestehen, Problemfamilien frühzeitig zu unterstützen: "Der Anspruch ist Fallvermeidung statt Fallbetreuung", so Lampe. Auch in der Altenarbeit werde die schon begonnene Arbeit in Projekten notwendiger sein als rein betreuende Maßnahmen. Ohne Spenden wäre die Arbeit mit Kinder und Jugendlichen, die Obdachlosenhilfe, die Gewaltpräventionsarbeit oder das Engagement für alte Menschen nicht mehr ohne gravierende Einschnitte möglich. Deshalb seien die Erträge aus der Diakonie-Stiftung sehr wichtig. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3040/23.09.05)
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"Kollektenbons": Steuer sparen auch im Klingelbeutel
Schwanewede/Kr. Osterholz (epd). Die evangelische Kirchengemeinde Schwanewede bei Bremen bietet ihren Gottesdienst-Besuchern ab sofort "Kollektenbons" für den Klingelbeutel an. Wer spenden wolle, könne zuvor Bons im Gemeindebüro kaufen, für die steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausgestellt werden könnten, erläuterte am Montag Pastor Karl Greving. Die Bons gebe es in Stückelungen zwischen einem und zehn Euro.

Ihr Gegenwert wird jeweils dem Spendenzweck zugewiesen, der im Gottesdienst angekündigt wurde. Das durchschnittliche Höhe jeder Kollekte in der gut 5.600 Mitglieder großen Johannis-Gemeinde liegt nach Angaben des Pastors bei etwa 200 Euro. Auch im Land Hadeln, in Ostfriesland und in der braunschweigischen Landeskirche kann bereits auf ähnliche Weise Geld gespendet werden. (epd
Niedersachsen-Bremen/b3055/26.09.05)
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Kirchenkreis für Erhalt von evangelischem Internat
Dassel (epd). Das Internat der evangelischen Paul-Gerhardt-Schule in Dassel soll nach Ansicht des Kirchenkreises Leine-Solling bestehen bleiben. Der Kirchenkreistag habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, das Internat in die Selbstständigkeit zu führen und so zu erhalten, sagte Superintendent Heinz Behrends am Freitag. Die hannoversche Landeskirche solle diese Bemühungen unterstützen.

Der Perspektiv-Ausschuss der Landeskirche hat dagegen im Rahmen der Sparprogramme eine Schließung des Internates bis zum Jahr 2010 empfohlen. Eine endgültige Entscheidung darüber soll bei der Herbst-Synode der Landeskirche in Hannover fallen.

Die Paul-Gerhardt-Schule ist ein Gymnasium für Jungen und Mädchen in Trägerschaft der Landeskirche. Im angeschlossenen Internat gibt es in drei Wohnheimen 75 Plätze für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 13 sowie Räume für jeweils eine Mädchen- und Jungen-Wohngemeinschaft. Die Schule wurde 1946 gegründet. Sie ist nach dem Kirchenlieder-Dichter Paul Gerhardt (1607 - 1676) benannt. (epd Niedersachsen-Bremen/b3037/23.09.05)

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