Landesbischöfin und Sozialministerin: Dignitas ist Schritt in die falsche Richtung

Nachricht 26. September 2005

„Sterben ist ein gewichtiges Thema, das nicht verdrängt werden darf. Nur allzu oft werden Todkranke mit ihren Wünschen und Ängsten in unserem Land ausgegrenzt. An diesem Punkt müssen wir ansetzen, deshalb halten wir den Weg, den das Unternehmen „Dignitas“ einschlägt, für völlig falsch“, so Landesbischöfin Margot Käßmann und Niedersachsens Sozialministerin Ursula von der Leyen.

Die wachsende Anzahl älterer Menschen werde die Gesellschaft in Zukunft immer häufiger vor die Frage der Sterbebegleitung stellen. Deshalb setzen sich Käßmann und von der Leyen weiterhin verstärkt für ein Sterben in Würde ein. „Unser Ziel muss es sein, die Hospizbewegung und die Palliativversorgung zu stärken, die ambulant und stationär hervorragende Arbeit leistet. Wir brauchen eine starke Palliativversorgung, damit es uns als Gesellschaft gelingt, sterbende Menschen schmerzfrei und würdevoll in den Tod zu begleiten“, erklären Käßmann und von der Leyen.

„Wir müssen dem Sterben Raum und Zeit geben. Sterben ist keine Angelegenheit, die schnell und effektiv gestaltet werden kann. Unter Zeitdruck kann es zu Kurzschlussreaktionen kommen, die kein Mensch rückgängig machen kann“, so Käßmann. Diese fatalen Entscheidungen könnten auch für Angehörige zu einer tiefen Belastung werden. Die Versuchung, dem Leben in schwerer Krankheit und Leid ein schnelles Ende zu setzen, sei oftmals groß. Doch sie führe nicht zu Würde, sondern werde schnell zum vermeintlich einzigen Ausweg.

Viele Menschen wüssten gar nicht, dass es eine Palliativversorgung gebe. Auch die christliche Patientenverfügung, die festlegt, dass gegen den Willen des Patienten keine lebensverlängernden Maßnahmen eingesetzt werden, sei noch zu wenig bekannt.

„Sterbende dürfen sich nicht als Last für ihre Mitmenschen empfinden. Wir dürfen sie nicht mit ihren Ängsten allein lassen, sondern können ihre Hand halten und ihnen mit einer guten Palliativmedizin die unerträglichen Schmerzen nehmen“, so von der Leyen. Das würdevolle Begleiten Angehöriger in den letzten Stunden müsse wieder stärker als ein Teil der Kultur empfunden werden. Käßmann und von der Leyen warnen vor der gesellschaftlichen Entwicklung, sich der Alten und Kranken zu entledigen. So eine Gesellschaft sei menschenverachtend und zynisch. „Uns muss es darum gehen, das Sterben als Teil des Lebens zu sehen, die Sterbenden nicht ausgrenzen, sondern in unserer Mitte zu behalten“, heben Käßmann und von der Leyen hervor.

Hannover, 26.9.2005
Pressestelle der Landeskirche