12. Europäischer Kongress für Theologie in Berlin beendet

Nachricht 22. September 2005

„Reformdiskussion braucht Kompetenz von Theologie und Kirche“
12. Europäischer Kongress für Theologie in Berlin beendet

Das Gewaltpotential der Religionen und der konstruktive Beitrag, den die Religionen zur Bändigung der Gewalt leisten können, standen im Mittelpunkt des 12. Europäischen Kongresses für Theologie, der vom 18. bis 22. September in Berlin stattfand. Mit dem Thema „Religion, Politik und Gewalt“ hätten sich die Veranstalter eines der „Großthemen des beginnenden 21. Jahrhunderts“ zur Bearbeitung gewählt, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, in seinem Eröffnungsvortrag.

In einem Grußwort beim Empfang der EKD anlässlich des Kongresses erklärte der Ratsvorsitzende am Mittwochabend, die Beziehung zur wissenschaftlichen Theologie sei im Selbstverständnis der evangelischen Kirche unentbehrlich. In der notwendigen Diskussion über die Wege und Ziele eines grundlegenden Reformprozesses in Deutschland werden die Kirche „und ihre vornehmste Reflexionsinstanz, die Theologie, dazu gewiss ihren Beitrag leisten“, so Huber. In der modernen Wissensgesellschaft werfen Lebenswissenschaften und Informationstechnologien neue ethische Fragen auf. Auf Fragen nach Orientierung werden Antworten von den Kirchen und religiösen Gemeinschaften erwartet. „In einer solchen Situation ist die gemeinsame Kompetenz von Theologie und Kirchen herausgefordert, wie lange nicht mehr.“

An dem, von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, veranstalteten Kongress nahmen rund 350 Gäste aus dem In- und Ausland teil. Gastgeberin war die Theologische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Aus Sicht der Veranstalter war der Kongress „ein eindrucksvoller Beleg für die Interpretationskompetenz der wissenschaftlichen Theologie im Blick auf die religiöse Situation der Gegenwart.“

In den interdisziplinären Diskussionen mit internationaler Beteiligung habe sich als eine gemeinsame Einsicht herausgestellt, dass Religion immer dann zur Gewalt führe, wenn sie politisch instrumentalisiert werde. Umgekehrt gelte es, die Ressourcen der Religionen zu einer friedlichen Konfliktbewältigung, die in ihrem eigenen Wahrheitsbewusstsein angelegt sind, aufzudecken und auch im politischen Raum nutzbar zu machen. In verschiedenen Beiträgen sei gezeigt worden, dass gegenüber dem in der Gegenwart häufig geäußerten Lob des Polytheismus den monotheistischen Religionen nicht undifferenziert ein inhärentes Gewaltpotential zugeschrieben werden dürfe. Die grundsätzliche Fragestellung wurde in unterschiedlichen Sektionssitzungen aus der Perspektive der einzelnen theologischen Fächer behandelt: so zum Beispiel im Beitrag „Violent Religion“ aus systematisch-theologischer Sicht oder in einem Diskussionsforum über „Jesus und die Gewalt“ bei den Bibelwissenschaften.

Hannover, 22. September 2005
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi