Gemeindetreffen auf dem Acker

Nachricht 16. September 2005

Christen aus Sarstedt ernten "Kirchenkreiskartoffeln"

Von Michael Grau (epd)
Sarstedt (epd). Pastorin Andrea Burgk-Lempart zieht sich an diesem Sonnabend wieder ihre schwarzen Gummistiefel an. Denn auf einem Acker in Wätzum bei Hildesheim wartet eine handfeste Arbeit auf sie: die Ernte der "Kirchenkreiskartoffeln". Bis zu 300 Gemeindemitglieder werden auf der 6.000-Quadratmeter-Fläche des Landwirts Kai-Wilhelm Behre zu einer riesigen Gemeinschaftsaktion erwartet, um die Knollengewächse aufzulesen und in Säcken zu verstauen. Auch zwei Superintendenten und der Leiter des Kirchenkreisamtes werden in diesem Jahr zu Kartoffelsammlern.

Die Idee zu den "Kirchenkreiskartoffeln" entstand bereits vor 15 Jahren. Die evangelischen Gemeinden im damaligen Kirchenkreis Sarstedt wollten einen Beitrag zur "Bewahrung der Schöpfung" leisten und entschieden sich, Kartoffeln ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel anzubauen. "In Zeiten des Klimawandels und der Flutkatastrophen ist der ökologische Ansatz bedeutender denn je", sagt Pastorin Burgk-Lempart.

Doch längst ist ein zweites Ziel hinzugekommen: "Wir wollen vor allem Kindern im Zuge der Globalisierung deutlich machen, woher die Kartoffeln kommen und was es für eine Mühe macht, sie anzubauen." Die Aktion ist inzwischen zum Selbstläufer geworden. Ganze Familien buddeln in den Furchen, die Bauer Behre vormittags in den Acker zieht. Kinder dürfen auf dem Trecker mitfahren und graben nach der dicksten und der lustigsten Kartoffel, für die es Preise gibt.

Damit im Herbst geerntet werden kann, wird die Aktion bereits im Frühjahr vorbereitet. "Kartoffelinspektoren" verkaufen in den Gemeinden 600 Anteilscheine zu je vier Euro, die so genannten "Kartoffelaktien". Jeder "Aktionär" legt im April auf zehn Quadratmetern Knollen in die Erde und kann dann im September etwa einen Sack voll sammeln. Anders als früher liest aber nicht mehr jeder für sich. "Wir sammeln alle für alle", erzählt Pastorin Burgk-Lempart. "Sonst sucht sich jeder die dicksten und schönsten Stücke aus, und die anderen bleiben auf dem Acker liegen."

Burgk-Lempart eröffnet die Aktion mittags mit einer Andacht. Sie trägt Arbeitskleidung und legt zuvor ein Kreuz aus Efeuranken auf den Acker:
"Es ist sehr eindrücklich, unter dem offenen Himmel auf der Erde zu stehen, die uns trägt und uns ernährt." Ein Megafon sorgt dafür, dass jeder mitbekommt, was die Pastorin sagt. Auch den Abschluss der Kartoffelernte begehen die Sammler gemeinschaftlich mit einem Buffet auf dem Acker: "Jeder bringt etwas mit, vom Hering bis zum Kuchen." Und natürlich gibt es Pellkartoffeln. Auch ein Kartoffel-Kochbuch haben die Sammler schon herausgebracht. Sein Titel: "Himmel und Erde."

(Beginn ist am 17. September um 13.30 Uhr. Internet:
www.kirche-hotteln.de/kkk) (epd Niedersachsen-Bremen/b2951/16.09.05)

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