Tacheles: Profit um jeden Preis– und wo bleibt der Mensch?

Nachricht 16. September 2005

Tacheles am 4. Oktober 2005
19.00 Uhr, Marktkirche Hannover

Mit Dr. Erhard Eppler, Ex-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Bascha Mika, Chefredakteurin der taz, Karoline Beck, Vorsitzende des Bundesverbandes Junger Unternehmer, Prof. Dr. Gert G. Wagner, Vorsitzender der Sozialkammer der Evangelischen Kirche in Deutschland und anderen prominenten Gästen.

Mit ihrem gemeinsamen Wort zur sozialen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland haben die beiden großen christlichen Kirchen 1997 viel Aufsehen erregt. „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ - so der ambitionierte Titel - erschien in einer Zeit, in der sich der „Turbokapitalismus“ gerade warmlief. Heute, acht Jahre später, ist er auf Hochtouren gekommen: Fast fünf Millionen Arbeitslose, Billiglohnkonkurrenz aus dem Osten, Produktionsverlagerungen ins billige Ausland. Auf der anderen Seite Millionengehälter und Rekordgewinne. Die Einkommen der Manager sind drastisch gestiegen - anscheinend nicht genug, um Schmiergelder überflüssig zu machen. Raffgier als neue Unternehmensethik? Werden wir uns an solche Auswüchse gewöhnen müssen? Schließen sich Markt und Moral aus? Welchen Wert hat der Mensch? Und welchen Wert hat das Wort der Kirchen?

Die Kirche müsse sich einmischen, sagt Gert G. Wagner, Wirtschaftsexperte der EKD. „Durch Veröffentlichungen hat sie direkten und starken Einfluss auf das ethische Handeln der Unternehmer. Das Wort der Kirche beeinflusst indirekt auch die Sozialpolitik.“

Das Sozialwort der Kirchen sei so machtlos wie die Kirchen selber in diesem Punkt, meint Erhard Eppler, Ex-Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. „Die alte Regel: Die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen, gilt nicht mehr. Heute gilt: Die Entlassungen von morgen sind die höheren Gewinne von übermorgen.“

„Diejenigen, die Arbeitsplätze schaffen, brauchen mehr als einladende Bedingungen“, fordert Karoline Beck vom Bundesverband Junger Unternehmer. Ohne radikalen Bürokratieabbau und ein einfaches Steuersystem werde die Abwanderung unternehmerischen Potenzials mit rasender Geschwindigkeit stattfinden.

Die taz-Chefredakteurin Bascha Mika kritisiert die Stimmungsmache in den Medien: „Sozialstaat gleich Sozialmissbrauch - das scheint in der veröffentlichten Meinung inzwi¬schen die gängige Gleichung zu sein.“

Es moderieren Hanna Legatis (NDR) und Pastor Jan Dieckmann (Evangelische Radio- und Fernsehkirche im NDR).

TV-Hinweis
Phoenix, der Ereignis- und Dokumentationskanal von ARD und ZDF, überträgt die Debatte am Mittwoch, 5. Oktober, 17.00 Uhr, Samstag, 8. Oktober, 22.15 Uhr, Sonntag, 9. Oktober, 17.00 Uhr.

Hörfunk
NDR Info, das Informationsprogramm des Norddeutschen Rundfunks, strahlt eine Zusammenfassung der Debatte am Mittwoch, 5. Oktober, um 19.35 Uhr aus.

Internet
Hintergrundinformationen zur Sendung sind im Internet zu lesen unter www.tacheles.net, dort wird auch bereits im Vorfeld der Sendung diskutiert und die Debatte im Anschluss dokumentiert.

Redaktion Tacheles ekn-TV, Tel. (0 511) 36 06 99 42, Knochenhauerstraße 42, 30159 Hannover, eMail: redaktion@tacheles.net