Experte fordert Umbau der Kirche

Nachricht 14. September 2005

Rotenburg/Wümme (epd). Pastoren müssen sich nach Auffassung des Theologen und Soziologen Rüdiger Schloz auf ihre Aufgaben als Seelsorger und Prediger konzentrieren. Angesichts zurückgehender Finanzen und einer kürzeren Personaldecke sei ein Umbau in der Kirche nötig, sagte der ehemalige Referent für Studien- und Planungsfragen der Evangelischen Kirche in Deutschland am Mittwoch in Rotenburg bei Bremen. Das Pfarramt müsse durch Ehrenamtliche von Managementaufgaben entlastet werden.

Schloz sprach vor dem Generalkonvent der hannoverschen Landeskirche im Elbe-Weser-Raum vom Modell der "selbsttragenden Gemeindekirche".
Die Gemeindemitglieder sollten in vielerlei Hinsicht das Heft in die Hand nehmen und könnten in Zukunft nicht mehr "vom Pfarrer gemanagt werden". Der Theologe müsse sich auf die Verkündigung, den Gottesdienst sowie auf Seelsorge und Amtshandlungen an Wendepunkten des Lebens wie Trauungen, Taufen und Beerdigungen konzentrieren.

Zu den Schwerpunkten kirchlicher Aufgaben gehören nach Ansicht des Planungsexperten neben der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit die Pflege von Traditionen und Ritualen. Gemeinden müssten mehr zusammenarbeiten und durch besondere Angebote wie Schulanfänger-Gottesdienste Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme schaffen. "Der Pastor ist auch zukünftig das zentrale Amt in der Kirche", ergänzte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Rande des Treffens im Gespräch mit Journalisten.

Die hannoversche Landeskirche müsse das jährliche Haushaltsvolumen von heute 500 Millionen Euro auf etwa 420 Millionen Euro im Jahre 2011 abschmelzen, erläuterte Käßmann. Bei den rund 1.600 Pastoren-Stellen soll nach einem Vorschlag des Perspektiv-Ausschusses der Landessynode weniger gekürzt werden als im landeskirchlichen Durchschnitt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Herausforderung packen werden", sagte die Bischöfin.

Der Generalkonvent im Sprengel Stade ist die Vollversammlung aller 320 Pastorinnen und Pastoren aus der Elbe-Weser-Region, der größten von acht Regionen in der hannoverschen Landeskirche. Zum Sprengel Stade gehören elf Kirchenkreise mit etwa 200 Gemeinden und rund 590.000 Mitgliedern. (epd Niedersachsen-Bremen/b2925/14.09.05)
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