Amnesty: Jede dritte Frau auf der Erde hat Gewalt erlebt

Nachricht 12. September 2005

Hannover (epd). Jede dritte Frau auf der Erde hat nach Schätzungen von amnesty international schon einmal eine schlimme Gewalterfahrung gemacht. "Damit ist mindestens ein Sechstel der Weltbevölkerung Opfer von Menschenrechtsverletzungen geworden", sagte die Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation, Barbara Lochbihler, am Sonnabend in Hannover bei einem "Tag der Frauen" des evangelischen Frauenwerks. Die Zahlen seien eher zurückhaltend geschätzt.

Weltweit müssten dringend diskriminierende Gesetze abgebaut werden, forderte Lochbihler. Nötig seien ein angemessenes Strafmaß für Täter und Präventionsarbeit. Frauen würden häufig Opfer von geschlechtsspezifischer Diskriminierung, etwa durch Menschenhandel, Genitalverstümmelung, Steinigung, Vergewaltigung, Verbrennung oder Arbeitssklaverei: "Diskriminierung ist eine tödliche Krankheit." Vor allem in Entwicklungsländern hätten Frauen keine Lobby.

Frauen müssten sich auch trauen, Männer vor Gericht zu bringen, sagte Lochbihler. Häufig werde Gewalt gegen Frauen zur Familienangelegenheit herabgestuft. Von Hinweisen, dass etwa die Genitalverstümmelung ein Teil der afrikanischen Kultur sei, dürften sich Frauen nicht beeindrucken lassen: "Kultur ist nicht frei von Unterdrückung. Und sie ist immer im Wandel."

Lochbihler wies darauf hin, dass es auch in Deutschland mehrmals Ehrenmorde an eingewanderten muslimischen Frauen gegeben habe: "Wir müssen ganz genau wissen, was Menschenrechte sind, damit wir nicht in Ausländerfeindlichkeit verfallen", sagte sie. Wichtig sei, das Frauen selbst Führungspositionen übernähmen, um etwas zu
verändern: "Wir dürfen nicht nur die Kärrnerarbeit an Stehtischen machen." In vielen Ländern, etwa in Lateinamerika, sei dies immer noch schwierig. Frauen, die dort Verantwortung übernähmen, müssten unterstützt und ermutigt werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b2895/10.09.05)
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