Spitzengespräch Kirchen - Sport in Frankfurt

Nachricht 07. September 2005

Am Mittwoch, den 7. September 2005, trafen sich in Frankfurt am Main Delegierte des Deutschen Sportbundes (DSB) unter Leitung seines Präsidenten Manfred von Richthofen, der Deutschen Bischofskonferenz unter Leitung ihres Vorsitzenden Karl Kardinal Lehmann und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter Leitung ihres Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber zum 7. Spitzengespräch der Kirchen und des Sports. Im Mittelpunkt des gut zweistündigen Gesprächs standen Fragen der Integrationsförderung und der Mitgestaltung von Bildung und Schule durch Kirchen und Sport.

Alle Beteiligten hoben hervor, dass die Integration von Zuwanderern eine wichtige Zukunftsaufgabe sei, der sich alle gesellschaftlichen Kräfte stellen müssten. Sowohl die Kirchengemeinden als auch die Sportverbände leisteten für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die Integration kultureller und ethnischer Minderheiten einen erheblichen Beitrag. Der Präsident des DSB, Manfred von Richthofen, unterstrich, dass die rund 90.000 Sportvereine Angehörigen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen und Nationalitäten Möglichkeiten der Begegnung, der Anerkennung und der Gesundheitsvorsorge böten. Seit vielen Jahren sei Integration ein besonderer Arbeitsschwerpunkt des DSB. Von Richthofen verwies beispielhaft auf das seit vielen Jahren erfolgreiche Programm „Integration durch Sport“ und die im Dezember 2004 beschlossene Grundsatzerklärung „Sport und Zuwanderung“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, betonte, dass kulturelle Vielfalt bereits in vielen, gerade städtischen Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, zum Alltag gehöre. Etwa jeder zehnte Katholik in Deutschland spreche eine andere Muttersprache. Zudem existierten rund 480 fremdsprachige Gemeinden. Die Kirche habe, gerade weil sie Weltkirche sei, eine starke Option für kulturelle Vielfalt. Lehmann erinnerte an das Wort der Deutschen Bischofskonferenz „Integration fördern – Zusammenleben gestalten“ vom September 2004 und unterstrich: „Integration ist ein wechselseitiger Prozess, der im gegenseitigen Respekt stattfinden muss“.
Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, gab seiner Freude Ausdruck, dass sich Sportvereine in der „Woche der ausländischen Mitbürger“ engagierten, die in diesem Jahr bereits zum 30. Mal von den Kirchen durchgeführt wird. Er appellierte an die Politik, die ordnungspolitischen, rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Kirchen und der organisierte Sport ihre jeweils spezifischen Aufgaben in der Gesellschaft zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig wahrnehmen können.
Die Gesprächspartner unterstrichen den unersetzbaren Beitrag von Religions- und Sportunterricht im Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Die Fächer Sport und Religion würden entscheidend mit zur Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen beitragen. Daher sei der teilweise hohe Stundenausfall nicht hinnehmbar, kritisierten Lehmann und Huber. Von Richthofen kritisierte, dass die gesellschaftliche Bedeutung der vielfältigen Bildungsangebote in nicht-staatlichen Bereichen und hier vor allem in den Bereichen der Kirchen und des Sports unterschätzt und gesellschaftspolitisch völlig unzureichend gewürdigt werde. Die beiden Kirchen und der Deutsche Sportbund würden zukünftig auch gemeinsam für einen qualifizierten Religions- und Sportunterricht eintreten.

Zudem berieten die Gesprächspartner Möglichkeiten, über den Religions- und Sportunterricht hinaus an weiteren Angeboten, besonders im Bereich der Ganztagsschulen, mitzuwirken. Zu überlegen sei, ob die Betreuungsangebote so qualifiziert werden könnten, dass sie im Wahl- und Freizeitbereich der Ganztagsschule einen festen Platz einnehmen. Ziel sei keine Verdoppelung des Unterrichts, sondern eine Stärkung der Verbindung zwischen Schule und sozialer Umgebung. Zugleich warnten Lehmann, Huber und von Richthofen aber davor, dass der Ausbau der Ganztagsbetreuung oder der Ganztagsschule nicht zu einer Einstellung der Förderung der außerschulischen Bildung führen dürfe.
DSB-Präsident von Richthofen dankte der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz, dass sie ihr Engagement für das Handlungsfeld Kirche und Sport auch weiterhin auf hohem Niveau fortsetzen. Er nannte als Beispiele die Unterstützung der Fußball WM 2006 und die seelsorgerische Begleitung der deutschen Olympiamannschaften.
Huber und Lehmann sicherten zu, dass sich die Kirchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland engagieren werden. Im Münchener Dom sei am 09.06.2006 ein ökumenischer Eröffnungsgottesdienst und ein Empfang der Kirchen vorgesehen. An allen Austragungsorten wirken Gemeinden, Bildungseinrichtungen und Hilfswerke im kulturellen Rahmenprogramm mit. Die entsprechen¬den Stadtdekanate wollen möglichst viele Kirchen so lange wie möglich geöffnet halten, viele Gemeinden planen interkulturelle Begegnungsfeste. Caritative und diakonische Einrichtungen stehen bereit, die Kommunen bei der Bewältigung der zu erwartenden höheren Anzahl von Notfällen zu unterstützen. Bei aller Freude auf die Fußball-Weltmeisterschaft wiederholte Bischof Huber jedoch seine Bitte an die Kommunen, von einer Freigabe der Ladenöffnungszeiten auch an den Sonntagen während der WM Abstand zu nehmen.

Kirchen und Deutscher Sportbund vereinbarten, ihre Gespräche und Zusammenarbeit auf allen Ebenen fortzusetzen und zu intensivieren. Die Spitzengespräche Kirche und Sport finden etwa alle fünf Jahre statt.


Hannover, 7. September 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter