Missionswerk kürzt Ausbildung und schließt Häuser

Nachricht 07. September 2005

Hermannsburg/Hildesheim (epd). Das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen will seine Ausbildung von Theologen in Hermannsburg bei Celle reduzieren und seine Außenstelle in Hildesheim weitgehend aufgeben. Das beschloss der Missionsausschuss am Mittwoch, teilte Vorstandsmitglied Klaus Hampe dem epd mit. Das Werk reagiert damit auf Sparpläne der hannoverschen Landeskirche. Diese will ihre jährlichen Zuweisungen von zuletzt 8,5 Millionen Euro bis 2010 um 30 Prozent kürzen. Das entspricht mehr als 2,5 Millionen Euro.

Nach dem Beschluss können Studenten, die in diesem Jahr ihre Ausbildung am Missionsseminar beginnen, nur noch den Abschluss "Bachelor of Arts" erreichen. Dieser wird nach vier Semestern verliehen. Für den Jahrgang 2006/2007 will das Seminar gar keine Studenten aufnehmen. In dieser Zeit soll ein neues Konzept für die Missionsausbildung entwickelt werden. "Wir hoffen, dass wir das auch durch ergänzende Studiengänge leisten können", sagte Hampe. Bisher bot das Werk eine theologische Vollausbildung an.

Denkbar sei, dass Theologiestudenten von den Universitäten nach Hermannsburg kommen und sich dort gezielt für die Arbeit in der Mission schulen lassen. Sie müssten in Missionswissenschaft und vergleichender Religionswissenschaft fortgebildet werden und interkulturelle Kompetenz erwerben. Das Missionswerk arbeitet weltweit mit 20 Kirchen in 18 Ländern zusammen. Schwerpunkte sind Südafrika, Athiopien und Indien. "Theologen mit Hermannsburger Gepräge zu haben ist für unsere Partnerkirchen sehr wertvoll", sagte Hampe: "Die Kürzungen treffen uns daher sehr schmerzlich."

Von seinen beiden Häusern in Hildesheim will sich das Werk bis Ende 2006 trennen. Die dort angesiedelte entwicklungsbezogene Bildungsarbeit vor allem mit Konfirmanden soll jedoch in anderer Form fortgeführt werden. Das Haus "Weinberg 62" wird sofort voll vermietet oder verkauft. Dort sind derzeit Büros untergebracht. Ein Teil ist an den Kirchlichen Entwicklungsdienst vermietet. Die Jugendstil-Villa "Weinberg 57" soll bis Ende 2006 vorzugsweise vermietet, ansonsten verkauft werden. Die dortigen Tagungsräume und Übernachtungsmöglichkeiten werden aufgegeben.

Das Missionswerk rechnet bis 2010 mit einem Rückgang von vier Millionen Euro bei einem Gesamtetat von 15 Millionen. Auch aus den beiden anderen Trägerkirchen Braunschweig und Schaumburg-Lippe seien Kürzungen zu erwarten, sagte Hampe. Die Zuschüsse der Kirchen decken den Haushalt zu etwa 60 Prozent. Derzeit sind weltweit etwa 50 Hermannsburger Missionare im Einsatz, in der Regel für neun Jahre. Zwei bis drei Theologen werden jedes Jahr neu ausgesandt. Der Missionsausschuss beschloss, die Kirche im afrikanischen Lesotho als 20. Partnerkirche zu unterstützen. (epd Niedersachsen-Bremen/b2861/07.09.05)
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