Aus der EKD (6.9.)

Nachricht 06. September 2005

Johannes Rau hat Karl-Barth-Preis erhalten
„Eine Kraft der Versöhnung ist das Reden und Wirken, das Sagen und Bewegen von Johannes Rau.“ Mit diesen Worten lobt der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Wolfgang Huber, den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau anlässlich der Verleihung des Karl-Barth-Preises in Berlin. Er stehe „bald offen, bald verborgen“ in der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung, die 1934 maßgeblich von dem Schweizer Theologen Karl Barth formuliert worden ist. Er bezeichnete den früheren Kirchentagspräsidenten, das frühere Mitglied verschiedener Synoden und den früheren Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, als „anima naturaliter barmensis“.

Nachdem mit dem Karl-Barth-Preis verschiedene Theologen, ein Jurist und ein Journalist ausgezeichnet worden seien, erhalte nun mit Johannes Rau der erste Politiker die Auszeichnung der Union Evangelischer Kirchen in der EKD, die Personen auszeichne, deren „Sagen und Bewegen“ in markanter Weise in der Tradition der Barmer Theologischen Erklärung stehe, so Huber. Es gebe kaum einen geeigneteren Preisträger als Johannes Rau, nicht nur wegen dessen großem Interesse an Karl Barth, sondern auch wegen seiner biographischen Nähe zu Barmen: Johannes Rau wurde in Wuppertal-Barmen geboren. Die Atmosphäre seines Elternhauses wie des Pfarrhauses der Bekennenden Kirche in Barmen habe „den christlichen Glauben und seine Bewährung im Gegensatz zum Ungeist des Nationalsozialismus zu einer entscheidenden Morgengabe“ seines Lebens gemacht.

Als Johannes Rau in die Politik gegangen ist, sei etwas „vom Geist der Bergpredigt in der deutschen Politik gegenwärtig“ gewesen, die sich auch bei Karl Barth und in der Theologischen Erklärung von Barmen äußere: „Die Einheit von Zuspruch und Anspruch Gottes in seinem Wort und so im christlichen Leben, die Vorstellung von der gemeinsamen Verantwortung der Regierenden und der Regierten für einen Staat, dessen Bestimmung darin liegt, für Recht und Frieden zu sorgen.“

Der Karl-Barth-Preis erinnert an den Schweizer Theologen Karl-Barth und wird seit 1986 alle zwei Jahre vergeben. Karl Barth wurde 1886 in Basel geboren. Nach zehn Jahren im Pfarramt in der Schweiz war er von 1921 bis 1935 Professor für Theologie in Göttingen, Münster und Bonn. Im Konflikt mit den nationalsozialistischen Machthabern, wurde der reformierte Theologe aus Deutschland vertrieben. Von 1935 bis zu seiner Emeritierung 1962 war er Professor für Systematische Theologie an der Universität seiner Geburtstadt Basel. Er starb 1968 in der Schweiz. Karl Barth gilt weltweit als einer der bedeutendsten Theologen des 20. Jahrhunderts.

Anlässlich des 100. Geburtstages des Theologen hat die damalige Evangelische Kirche der Union (EKU), die heutige UEK, diesen Preis ins Leben gerufen. Der Preis zeichnet in der Regel alle zwei Jahre ein herausragendes theologisch-wissenschaftliches Werk aus dem deutschen Sprachraum und der Ökumene aus, dabei kann es sich auch um die Würdigung eines Gesamtwerkes handeln. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, der Theologe Eberhard Jüngel, der Verfassungsrichter Helmut Simon und der Dichter und Pfarrer Kurt Marti, der Jurist und ehemalige Verfassungsrichter Helmut Simon und der vor kurzem verstorbene Journalist Reinhard Henkys.

Berlin, 6. September 2005
Pressestelle der UEK
Christof Vetter

Die Laudatio im Wortlaut: s. www.ekd.de
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Sonderbriefmarke: „450 Jahre Augsburger Religionsfriede“
Am 25. September jährt sich der Abschluss des Augsburger Religionsfriedens zum 450. Mal. Um an dieses Dokument religiöser Toleranz zu erinnern, gibt das Bundesministerium der Finanzen auf Anregung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Sonderbriefmarke heraus, die ab 8. September im Handel sein wird. Schon am vergangenen Freitag, 2. September, hat Staatssekretär Karl Diller die neue Sondermarke im Rahmen einer Feierstunde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses vorgestellt. Die Briefmarke wurde in einer Auflage von 10 Millionen Exemplaren gedruckt.

Mit dem Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 kamen die religionspolitischen, zum Teil auch militärischen Auseinandersetzungen zwischen den evangelischen und katholischen Reichsständen zu einem vorläufigen Ende. Aus dem bisherigen Gegeneinander der evangelischen und der römisch-katholischen Religionsparteien wurde zum ersten Mal ein rechtlich abgesichertes Nebeneinander: die Anerkennung des vormals als „Ketzerei“ bezeichneten evangelischen Glaubens. Mit dem auf dem Augsburger Reichstag geschlossenen Frieden fand das Reformationszeitalter seinen Abschluss. Heutzutage gilt der Augsburger Religionsfriede als wichtiges historisches Dokument einer modernen interreligiöser Toleranz.

Auch daran anknüpfend wurde 1999 ebenfalls in Augsburg die gemeinsamen Erklärung der Rechtfertigungslehre durch Vertreter der lutherischen Kirchen und der katholischen Kirche unterzeichnet. Dem Augsburger Religionsfrieden wird am 25. September mit einem ökumenischen Gottesdienst in Augsburg gedacht, den der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, mit gestalten werden.

Hannover, 6. September 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter
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