- Zur Woche der Diakonie -

Nachricht 05. September 2005

Sozialministerin fordert verlässliche Kinderbetreuung

Verden (epd). Die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat eine "gute, verlässliche und finanzierbare Kinderbetreuung" in Deutschland gefordert. Der Staat habe noch nicht verstanden, dass dies für Eltern eine Grundvoraussetzung für die Arbeitsaufnahme sei, sagte sie am Sonntag bei der Eröffnung der landesweiten "Woche der Diakonie" im Dom von Verden bei Bremen. Sie steht unter dem Motto "Wenn Armut Mauern baut".

Insbesondere Alleinerziehende hätten Probleme, ihre Kinder gut unterzubringen, kritisierte die Sozialministerin. Sie sähen sich mit einer Arbeitswelt konfrontiert, "die so tut, als gäbe es keine Kinder, die Zeit brauchen". Von der Leyen forderte zu sozialem Engagement auf, um die Mauern zwischen armen und reichen Menschen zu überwinden. "Die Mauern in unseren Köpfen versperren die Sicht auf den Nächsten", sagte die Sozialpolitikerin. Soziales Engagement wie das der Diakonie trage dazu bei, die Mauern aufzubrechen.

Der Direktor der Konferenz Diakonischer Werke in Niedersachsen, Henning Brandes (Hannover), warnte davor, arme Menschen durch Vorverurteilungen auszugrenzen. Wer meine, dass Arme nicht arbeiten wollten oder krank feierten, baue Mauern auf. Armut und Arbeitslosigkeit könnten jeden treffen.

In Zeiten brüchiger Sozialsysteme sei es nötig, Brücken zu bauen und sich beispielsweise durch ehrenamtliche Hilfe der Not anderer Menschen zu öffnen, so Brandes. Jeder Einzelne müsse sich fragen, ob er sich in der Sorge um Notleidende zu lange auf die sozialen Sicherungssysteme verlassen habe.

Vor allem Kinder und Jugendliche seien von Armut betroffen, sagte der leitende Theologe im evangelischen Kirchenkreis Verden, Superintendent Dieter Rathing. In Deutschland seien es derzeit etwa
1,1 Millionen. "Immer mehr Menschen nehmen Suppenküchen, Kleiderkammern und Lebensmittelspenden in Anspruch. Bei den Schuldnerberatungen sind die Wartelisten hoffnungslos lang." Die Steine der Mauern hießen Arbeitslosigkeit, mangelhafte Schulbildung, Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Sozialhilfe.

Zurzeit gilt der Diakonie zufolge jeder siebte Niedersachse als arm. Gleichzeitig habe sich die Zahl der reichen Niedersachsen seit 1998 auf 440.000 verdreifacht, hieß es. In der "Woche der Diakonie" werben die 2.500 Kirchengemeinden und 3.000 diakonischen Einrichtungen der evangelischen Kirchen um Spenden für Einzelfallhilfen, deren Aufkommen in jüngster Zeit gesunken ist.
(epd Niedersachsen-Bremen/b2818/04.09.05)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen