EKD-Jubiläum: Weitreichende Reform des Protestantismus vereinbart

Nachricht 01. September 2005

Hannover (epd). Am 60. Jahrestag der Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist eine weit reichende Reform der protestantischen Strukturen in Deutschland vereinbart worden. Die EKD unterzeichnete am Mittwochabend in Hannover einen Kooperationsvertrag mit ihren großen konfessionellen Zusammenschlüssen von Lutheranern und Unierten. Zugleich erinnerte die EKD an ihre Gründung am 31. August 1945.

Das lange umstrittene Abkommen gilt als wichtiger Meilenstein zur Überwindung von Doppelstrukturen. Durch den Vertrag zwischen der EKD, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) sollen Gemeinschaftsaufgaben besser wahrgenommen und die theologische Zusammenarbeit vertieft werden.

Die nun erreichte stärkere Zusammenarbeit habe zum Ziel, "das Evangelium näher zu den Menschen" zu bringen, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, in Hannover. "Ich sehe mit großer Hoffnung der Ratifikation dieser Reformverträge entgegen und bin zuversichtlich, dass sie zum 1. Januar 2007 in Kraft treten können", sagte Huber. Neben der lutherischen Generalsynode und dem EKD-Kirchenparlament müssen alle 23 Landeskirchen dem Vertragswerk noch zustimmen. Die EKD zählt rund 25,8 Millionen Mitglieder.

Huber trat Befürchtungen entgegen, dass durch die engere Kooperation Profile des lutherischen, reformierten oder unierten Bekenntnisses abgeschliffen werden. Vielmehr müssten die Kirchen ihr evangelisches Profil gemeinsam erkennbar machen: "Aber heute sind wir davon überzeugt, dass wir eine Gemeinschaft von Kirchen bilden, die im gemeinsamen Zeugnis und im gemeinsamen Dienst miteinander verbunden sind."

Der Leitende VELKD-Bischof Hans Christian Knuth (Schleswig) bezeichnete den Reformprozess als wichtig, aber auch "schmerzlich". Er gehe mit der Erwartung in die neu strukturierte Gemeinschaft, dass die Rechte und Aufgaben der Beteiligten gegenseitig geachtet und angenommen werden. Die VELKD mit rund zehn Millionen Mitgliedern bleibe weiterhin eine Kirche mit Kirchenleitung, Bischofskonferenz und Generalsynode. Sie bleibe zudem der Weltgemeinschaft von rund 66 Millionen Lutheranern in besonderer Weise verbunden. Die VELKD wolle nun das lutherische Bekenntnis stärker in die EKD einbringen.

Die Unterzeichnung des Vertrages, so der Vorsitzende der Union Evangelischer Kirchen, der badische Landesbischof Ulrich Fischer, sei "Anlass zu großer Freude". Die Kirchenstrukturen bedürften immer wieder der Überprüfung. Dies sei ein protestantisches Prinzip. Fischer: "Strukturen haben eine dienende Funktion." Ziel des Vertrages sei die Integration des VELKD-Kirchenamtes und der UEK-Kanzlei in das Kirchenamt der EKD. Dies ermögliche es der EKD und ihren Mitgliedskirchen, ihren Auftrag im 21. Jahrhundert wahrzunehmen.

Der Kirchenamtspräsident der hannoverschen Landeskirche, Eckhart von Vietinghoff, hatte zum Jahreswechsel 2001/2002 den Reformprozess angestoßen. Er hob am Mittwoch die Tragweite der erzielten Vereinbarung
hervor: "Der Vertrag birgt ein großes Zukunftspotenzial, ohne dass man rechtlich noch viel ändern muss." Von Vietinghoff äußerte sich ebenso wie der designierte Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth, optimistisch, dass die Ratifizierung gelinge. (epd Niedersachsen-Bremen/b2791/01.09.05)

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