Protestanten unterzeichnen historischen Vertrag

Nachricht 31. August 2005

Bischof Knuth: Reformprozess war "schmerzlich"

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die beiden großen konfessionellen Zusammenschlüsse von Lutheranern und Unierten haben einen historischen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Der seit Jahren geplante Schritt gilt als Meilenstein in der Strukturreform des Protestantismus. Zugleich erinnerte die EKD am Mittwochabend in Hannover an ihre Gründung am 31. August vor 60 Jahren. Durch den Vertrag zwischen der EKD, der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der Union Evangelischer Kirchen (UEK) sollen Gemeinschaftsaufgaben besser wahrgenommen und die theologische Zusammenarbeit vertieft werden.

Die nun erreichte stärkere Zusammenarbeit habe zum Ziel, "das Evangelium näher zu den Menschen" zu bringen, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, in Hannover. "Ich sehe mit großer Hoffnung der Ratifikation dieser Reformverträge entgegen und bin zuversichtlich, dass sie zum 1.
Januar 2007 in Kraft treten können", sagte Huber nach einem vorab verbreiteten Redetext. Neben der lutherischen Generalsynode und dem EKD-Kirchenparlament müssen alle 23 Landeskirchen das Vertragswerk noch ratifizieren. Die EKD zählt rund 25,8 Millionen Mitglieder.

Huber trat Befürchtungen entgegen, dass durch die engere Kooperation Profile des lutherischen, reformierten oder unierten Bekenntnisses abgeschliffen werden. Vielmehr müssten die Kirchen ihr evangelisches Profil gemeinsam erkennbar machen: "Aber heute sind wir davon überzeugt, dass wir eine Gemeinschaft von Kirchen bilden, die im gemeinsamen Zeugnis und im gemeinsamen Dienst miteinander verbunden sind."

Der Leitende VELKD-Bischof Hans Christian Knuth (Schleswig) bezeichnete den Reformprozess als wichtig aber auch "schmerzlich". Er gehe mit der Erwartung in die neu strukturierte Gemeinschaft, dass die Rechte und Aufgaben der Beteiligten gegenseitig geachtet und angenommen werden. Die VELKD mit rund zehn Millionen Mitgliedern bleibe weiterhin eine Kirche mit Kirchenleitung, Bischofskonferenz und Generalsynode. Sie bleibe zudem der Weltgemeinschaft von rund 66 Millionen Lutheranern in besonderer Weise verbunden. Die VELKD wolle nun das lutherische Bekenntnis stärker in die EKD einbringen.

Die Unterzeichnung des Vertrages, so der Vorsitzende der Union Evangelischer Kirchen, der badische Landesbischof Ulrich Fischer, sei "Anlass zu großer Freude". Die Kirchenstrukturen bedürften immer wieder der Überprüfung. Dies sei ein protestantisches Prinzip. Fischer: "Strukturen haben eine dienende Funktion." Ziel des Vertrages sei die Integration des VELKD-Kirchenamtes und der UEK-Kanzlei in das Kirchenamt der EKD. Dies ermögliche es der EKD und ihren Mitgliedskirchen, ihren Auftrag im 21. Jahrhundert wahrzunehmen.

Die Reform sei nicht durch die angespannte Finanzsituation der Kirchen ausgelöst worden, betonte die EKD. Kosteneinsparung sei nicht das zentrale Ziel gewesen, erklärte Christoph Thiele vom EKD-Kirchenamt dem epd. (epd Niedersachsen-Bremen/b2787/31.08.05)
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