„Kein Mensch darf verloren gehen“ – Diakonie - Grundsatzpositionen

Nachricht 31. August 2005

Familie

„Frauen, die nicht wissen, wer ihr Kind betreut, wenn sie arbeiten wollen, bekommen gar nicht erst Kinder!“

Berlin, den 30. August 2005 „Wenn wir wollen, dass das Modell Familie in Deutschland wieder populärer wird, dann muss die Politik jetzt schleunigst veränderten Lebenskonzepten Rechnung tragen“, fordert der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Dr. h. c. Jürgen Gohde, im Vorfeld der Bundestagswahlen. Deutschland liegt mit seiner Geburtenrate im europäischen Vergleich derzeit auf dem zehnten Platz.

Es müsse einiges an infrastrukturellen und steuerlichen Rahmenbedingungen geändert werden, damit rasch eine deutlich bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf als bisher gewährleistet werde, so Gohde. Elterngeld nach der Geburt, höheres Kindergeld, ein massiv erhöhtes Angebot an Kita-Plätzen für unter Dreijährige vor allem in Westdeutschland, der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz, flexible Arbeitszeitenmodelle - dies seien nur einige der Instrumente, die geeignet seien, um dieses Ziel zu erreichen.
„Frauen, die nicht wissen, wo sie ihre Kleinkinder unterbringen können, die sehen, dass sie in wirtschaftliche Abhängigkeit von ihren Partnern geraten, die nicht sicher sind, ob sie zurück in ihren Beruf kommen, die sich klare Einbussen ihrer unabhängigen Altersvorsorge ausrechnen, sind kaum motiviert, Kinder in die Welt zu setzen“, so der Diakonie-Präsident. Nordeuropäische Modelle kämen heute typischen Lebensverläufen jüngerer Menschen besser entgegen, sagte Gohde.
In naher Zukunft werde man in Deutschland vor der Frage stehen, wer das Sozialsystem finanziert und wie Pflegeleistungen für eine zunehmende Zahl älterer Menschen erbracht und bezahlt werden sollen.

Ein „Riesenproblem“ sei die wachsende Kinder-Armut auch in Deutschland. „Wenn inzwischen jedes siebte Kind, im Osten nahezu jedes vierte Kind in Armut lebt, dann hat die Politik falsche Prioritäten gesetzt“, so Gohde. Armut drücke viele Familien ins gesellschaftliche Abseits und verhindere angemessene Sozialisationschancen. Armut bedeute Leid für Kinder. Armut könne auch mit erhöhter Gewaltbereitschaft auf die Gesellschaft zurückschlagen.

Familie ist nach wie vor der Ort, an dem Menschen „Geborgenheit, Geliebtwerden um ihrer selbst willen, Achtung, Vertrauen-Können und Rückhalt“ erleben“, so Jürgen Gohde. Kindern biete sie darüber hinaus im Idealfall das Vorleben von Werten und Orientierung, bestärke sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Niemand komme jedoch umhin zu erkennen, dass auch innerhalb der Familie Menschen oftmals nicht das bekommen, was sie brauchen. Er plädiert dafür, mit wachem Herzen und offenen Augen zu leben, um rechtzeitig zu erkennen, „wann Menschen in unserer Nachbarschaft - ob Kinder, Frauen oder alte Menschen - in Not sind, weil ihre Familien versagen“, so Gohde. „An dieser Stelle sind wir alle gefordert!“

Die Diakonie tut in verschiedenster Hinsicht viel, um Missständen und Problemen vorzubeugen und zu helfen, sie zu beseitigen. So gibt es bundesweit allein knapp 9.000 Kindergärten und Kindertagesstätten in kirchlich-diakonischer Trägerschaft, deren tägliche Arbeit auf christlichem Werteverständnis beruht. Dazu kommen neben zahlreichen anderen Einrichtungen zum Beispiel auch gut 190 Heime für Kinder und Jugendliche sowie 150 Jugendberatungsstellen. Familienerholungsheime (63), Mütterkurheime (20), Frauen- und Kinderschutzhäuser (42) und Familienbildungsstätten (58) sind ein Auszug aus dem weiteren Angebot, das Familien stärken, fördern und schützen soll. Eheberatung, Schwangerenberatung, Schuldnerberatung und Beratungsstellen für alte Menschen helfen oft erfolgreich (und kostenlos) bei Problemen, die als Belastungen in Familien auftreten und wo Einzelne leicht verzweifeln.

Barbara-Maria Vahl
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