Nachrichten aus der Diakonie

Nachricht 30. August 2005

Diakonie: Armut unter Familien nimmt zu
Hannover (epd). Das Diakonische Werk der hannoverschen Landeskirche beobachtet eine zunehmende Armut unter Familien. "Kinder sind das Armutsrisiko Nummer eins", sagte Diakonie-Direktor Henning Brandes bei der Vorstellung des aktuellen Jahresberichtes am Dienstag vor Journalisten in Hannover. Vor allem allein erziehende Mütter hätten unter finanziellen Nöten zu leiden.

Die Folgen der Armut würden vor allem in Kindertagesstätten deutlich. Einige Kinder hätten kein festes Schuhwerk oder könnten keine Geburtstagsfeier besuchen, weil ihnen das Geld für ein Geschenk fehle. Nicht selten würden diese Kinder wegen der Kosten ganz aus dem Hort genommen, so Brandes. Problematisch sei außerdem, dass sich Eltern mit ihren Existenzsorgen an Kinderbetreuer wendeten. "Kindergärten sind für viele zu Beratungsstellen geworden", sagte Brandes.

Eine Ursache für den abnehmenden Wohlstand in Deutschland sei die Zusammenführung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe durch die
Hartz-IV-Reformen: "Unsere Gesellschaft wird zweigeteilt. Die einst so starke Mittelschicht verschwindet und droht in Armut abzusinken", so der Diakonie-Direktor. Das zeige sich etwa daran, dass immer mehr Menschen die Suppenküchen und Kleiderkammern der Diakonie nutzten. Seit einiger Zeit verteilten Kirchengemeinden auch Lebensmittelpakete: "Das ist ein neues Phänomen, das es vor zwei Jahren noch nicht gab."

Auch die Diakonie selbst müsse sparen. Nach dem Jahresbericht fließt der größte Teil der Ausgaben in die Löhne und Gehälter der rund 40.000 hauptamtlichen Mitarbeiter. Deshalb würden die Entgelte stufenweise abgesenkt. Außerdem sollen laut Brandes einige der insgesamt mehr als 3.000 diakonischen Einrichtungen zusammengeschlossen werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b2762/30.08.05)
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Altenheime und Pflegedienste gründen Pflegeverbund
Hildesheim (epd). Erstmals in der hannoverschen Landeskirche bündeln Altenheime und ambulante Pflegedienste ihre Kräfte. Sechs bisher selbstständige Einrichtungen in Hildesheim, Alfeld und Sarstedt mit zusammen etwa 450 Mitarbeitern schließen sich zum 1. September zu einem Pflegeverbund zusammen, teilte das Diakonische Werk Hildesheim-Sarstedt am Dienstag mit. Die vier beteiligten Heime bieten etwa 400 Plätze für alte und pflegebedürftige Menschen. Die beiden Pflegedienste betreuen 180 Patienten.

"Man kann die Gemeinkosten besser finanzieren, wenn sie auf mehreren Schultern verteilt sind", sagte Vorstandsmitglied Norbert Mehles-Hennies. So könne die Belegung der Altenheime künftig gemeinsam gesteuert werden. Auch der Einsatz des Personals werde in Zukunft gemeinsam organisiert: "Die Arbeitsplätze werden sicherer. Kein einziger Arbeitsplatz wird abgebaut." Das Personal solle zudem gezielt geschult werden.

Insgesamt diene die neue Dachgesellschaft dazu, die Qualität der Pflege zu sichern und zu optimieren. Der Wettbewerb zwinge die Einrichtungen dazu, ihre Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis könne so in den kommenden Jahren stabil gehalten werden. Auch in den Regionen Osnabrück und Winsen/Luhe erproben diakonische Einrichtungen laut Mehles-Hennies zurzeit die Arbeit im Pflegeverbund: "Wir hoffen, dass unser Projekt auf andere ausstrahlt."
(epd Niedersachsen-Bremen/b2752/30.08.05)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
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Huber fordert Überwindung von Altersdiskriminierung
Erklärung zum 5. Altenbericht

Aus Sicht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist es weder vom christlichen Menschenbild her noch gesellschaftspolitisch zu rechtfertigen, auf die aktive Gestaltungskraft älterer Menschen zu verzichten. Das erklärte der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, anlässlich der Übergabe des 5. Altenberichts an die Bundesregierung. „Die Altersbilder in unseren Köpfen, die das Alter mit Gebrechtlichkeit, Bedürftigkeit, Starrheit, Einsamkeit und Defiziten körperlicher und geistiger Art in Verbindung bringen, müssen relativiert werden“, forderte Huber. Ältere Menschen lebten heute nicht nur sehr viel länger, sondern könnten diese Lebenszeit im Durchschnitt in einer guten körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung gestalten. „Diese Entwicklung muss nachhaltige Konsequenzen für die Wirtschafts- und Sozialpolitik haben.“

In den vergangenen Jahren seien die Älteren oft vorzeitig aus dem Erwerbleben aussortiert worden; ihre Erfahrungen werden noch immer kaum genutzt. „Diese Praxis diskriminiert die Älteren und überfordert die Jungen,“ erklärte der Ratsvorsitzende. Sie schade dem sozialen Klima und letztlich auch der Wirtschaft, da die Ressourcen Kompetenz, reifes Urteil und Erfahrungswissen verschwendet würden.

Aus kirchlicher Sicht seien viele der im Altenbericht vorgeschlagenen Maßnahmen geeignet, der gängigen Altersdiskriminierung in der Gesellschaft zu begegnen und die Generationensolidarität zu stärken. Besonders notwendig sei die Schaffung einer „demographiesensiblen Unternehmenskultur“, die Förderung von lebenslangen Lernprozessen, die gezielte Unterstützung von freiwilligem Engagement und die Stärkung familiärer und nachbarschaftlicher Unterstützungsnetze.

Die EKD hoffe, dass mit dem Altenbericht eine breite gesamtgesellschaftliche Diskussion über die Potenziale älterer Menschen eröffnet wird. Dabei dürfe aber der Blick auf die Potenziale älterer Menschen nicht einseitig sein. Eine Gesellschaft des langen Lebens sei nicht nur herausgefordert, die Potenziale älterer Menschen einzubeziehen; „sie muss auch eine neue Kultur der Fürsorglichkeit entwickeln, damit die wachsende Zahl der alten Menschen würdig gepflegt und im Sterben begleitet werden kann.“

Hannover, 30. August 2005
Pressestelle der EKD
Silke Fauzi