EKD und konfessionelle Zusammenschlüsse unterzeichnen Vertrag

Nachricht 29. August 2005

Von Rainer Clos (epd)

Frankfurt a.M./Hannover (epd). Eine pompöse Zeremonie ist nicht geplant. Wenn Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland(EKD) sowie der konfessionellen Zusammenschlüsse von Lutheranern und Unierten am Mittwoch in Hannover die Verträge zur Strukturreform des deutschen Protestantismus unterzeichnen, geschieht dies im schlichten Rahmen einer Feierstunde im Kirchenamt in Hannover. Dennoch markiert die Vertragsunterzeichnung, die genau 60 Jahre nach Gründung der EKD erfolgt, eine wichtige Station in dem seit Jahren erörterten Reformprozess.

"Das Erscheinungsbild und das Wirken der Evangelischen Kirche in Deutschland, ihrer konfessionellen Zusammenschlüsse und der Gliedkirchen wird dadurch besser aufeinander abgestimmt sein", erwartet der EKD-Ratsvorsitzende und Berliner Bischof Wolfgang Huber. Unnötige Doppelarbeiten und unabgestimmte öffentliche Stellungnahmen könnten so vermieden, zugleich die Leitungsaufgaben gebündelt werden. Zusammen mit dem Leitenden Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Hans-Christian Knuth, und dem Vorsitzenden der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK), Landesbischof Ulrich Fischer, wird Huber die Verträge unterzeichnen.

Ziel der Strukturreform, für die ein Ausschuss aus kirchenleitenden Persönlichkeiten maßgebliche Vorarbeit leistete, ist eine Stärkung der Einheit der evangelischen Kirche, die Konzentration der Kräfte durch engere Abstimmung und Kooperation. Denn bisher ist die evangelische Kirche neben der regionalen Gliederung in 23 Landeskirchen gekennzeichnet von teils unterschiedlichen konfessionellen Richtungen mit teils eigenen Kirchenverwaltungen und Doppelstrukturen. Es geht um eine wirksamere und zukunftsgerichtete Wahrnehmung der Gemeinschaftsaufgaben der EKD, die rund 25,8 Millionen Protestanten repräsentiert, durch bessere Verzahnung der Kirchenämter und Synoden.

Der Vorlauf für diese Strukturveränderungen geriet lang. Ein kühner Reformversuch in den 70er Jahren war gescheitert. 1997 wagte der EKD-Ratsvorsitzende und badische Landesbischof Klaus Engelhardt am Ende seiner Amtszeit einen erneuten Vorstoß für eine Flurbereinigung im zersplitterten Nebeneinander von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen, der zunächst keine erkennbaren Folgen hatte.

Neuen Schub in die Reformdebatte brachte 2002 das EKD-Ratsmitglied Eckhart von Vietinghoff. Der Präsident des Kirchenamtes der gewichtigen Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers präsentierte in einem persönlichen Papier seine "unfrisierten Gedanken" zur fälligen Reform. Doch von Vietinghoff beließ es nicht dabei, die strukturellen Schwächen des Protestantismus aufzulisten. Seine Überlegungen enthielten auch konkrete Empfehlungen zur Neuordnung.

Nach ersten abwehrenden Reaktionen zeichnete sich überraschend schnell bei den beteiligten Parteien deutliche Kooperationsbereitschaft ab. Den ersten Schritt zur Straffung der Strukturen bildete die Verschmelzung der auf das Landeskirchentum in Preußen zurückgehende "Evangelischen Kirche der Union" mit der Arnoldshainer Konferenz zur "Union Evangelischer Kirchen". Diesem Zusammenschluss gehören 13 evangelische Landeskirchen an. Die VELKD, die acht Landeskirchen umfasst, brauchte längere Bedenkzeit, um einer stärkeren Verzahnung mit der EKD zuzustimmen.

Die Folie für die strukturelle Anpassung zeigt der designierte Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth, auf. Wegen des weiter rückläufigen Anteils evangelischer Christen an der Gesamtbevölkerung müssten die vorhandenen Kräfte gebündelt werden. Dabei seien die nunmehr vereinbarten Anpassungen lediglich "ein Baustein", meint Barth. Er räumt auch ein, dass wegen der Komplexität der evangelischen Kirchenlandschaft und der großen Zahl der Beteiligten der Reformprozess "relativ schwerfällig" verlaufe.

Die Etappe nach der Vertragsunterzeichnung rechnet der EKD-Theologe zu den "Niederungen des Alltags". In dieser Umsetzungsphase ist vor allem nüchterne und wenig spektakuläre Gesetzgebungsarbeit gefragt. Denn neben der lutherischen Generalsynode und dem EKD-Kirchenparlament, die in diesem Herbst am Zuge sind, müssen auch alle 23 Landeskirchen das Vertragswerk ratifizieren. (epd Niedersachsen-Bremen/b2739/29.08.05)

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