Landesbischöfin: Zu viele Sterbende werden allein gelassen

Nachricht 27. August 2005

Hannover (epd). Sterben und Tod sind nach Auffassung der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann Themen, das die ganze Gesellschaft angehen. "Rund 800.000 Menschen pro Jahr sterben in unserem Land", sagte sie am Sonnabend in Hannover beim fünfjährigen Jubiläum des Uhlhorn-Hospizes. Sterben sei noch immer ein Tabu. So lange nicht über das Sterben offen gesprochen werde, würden viel zu viele Sterbende allein gelassen.

Im Mittelalter hätten die Menschen Angst vor einem plötzlichen Tod gehabt, der keine Gelegenheit gebe, bewusst Abschied zu nehmen. "Die mobile und schnelle Gesellschaft unserer Zeit hat auch den schnellen Tod zum Idealziel gewählt", sagte Käßmann. Kaum jemand bereite sich jedoch auf diesen Tod vor: "Ein Testament machen, eine Patientenverfügung unterschreiben, die Beerdigung regeln, mit den Liebsten ins Reine kommen - all das sind Dinge, von denen niemand so recht reden und hören will."

Die Kraft, die es brauche, Sterbende zu begleiten, sei oft nicht im Blick der Mitmenschen, sagte Käßmann. Auch der Raum für Trauerarbeit werde häufig nicht zugestanden. "Und gleichzeitig lernen wir von den Sterbenden etwas für unser Leben." Diese existenzielle Dimension mache das Leben tiefer. Wer den Tod mit einkalkuliere, lebe bewusster. Deshalb sei es so wichtig, den Tod nicht auszuschließen, sondern ins Leben hinein zu holen. Über das Sterben sollte nicht geschwiegen, sondern geredet werden.

Das Uhlhorn-Hospiz betreut todkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Das Haus mit seinen acht Plätzen und 22 Mitarbeitern wird von den Krankenhäusern Henriettenstiftung und Friederikenstift getragen.(epd Niedersachsen-Bremen/b2724/26.08.05)
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