Zum Tode von Frère Roger Schutz

Nachricht 17. August 2005

Landesbischöfin: Mord an Roger Schutz ist besonders tragisch

Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber zum Tod von Frère Roger Schutz

Anregungen aus dem Kirchenamt für eine besondere Gestaltung des Gottesdienstes am 13. Sonntag n.T., dem 21. August 2005,unter dem Eindruck der Ermordung des Gründers der Gemeinschaft von Taizé, Roger Schutz


Landesbischöfin: Mord an Roger Schutz ist besonders tragisch
Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat es als besonders tragisch bezeichnet, dass Taizé-Gründer Roger Schutz hochbetagt ermordet wurde. Er sei sein Leben lang für Frieden und Versöhnung eingetreten, sagte sie am Mittwoch dem epd in Hannover. Als Gründer der Gemeinschaft von Taizé habe er ein beeindruckendes ökumenisches Zeichen gesetzt, das viele Menschen tief bewege.

"Taizé steht weltweit für eine gelebte Ökumene in Glauben und solidarischem Handeln, die über alle dogmatischen Differenzen hinweg lebendig ist", sagte Käßmann. Beim Evangelischen Kirchentag in Hannover hätten abends mehr als 10.000 Menschen zusammen gesessen und Taizé-Lieder gesungen. Es sei ermutigend, dass sich gerade Jugendliche davon angezogen fühlten: "Sie haben in Taizé eine spirituelle Heimat gefunden."

Der "Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde", der von Taizé ausgehe, werde in den Herzen Tausender Menschen weiterleben. Damit werde auch das Lebenswerk von Frère Roger fortgesetzt. "Ich bin überzeugt, dass es im Sinn von Frère Roger ist, wenn wir auch für die Attentäterin beten", sagte die evangelische Bischöfin.

Roger Schutz war von einer offenbar geistig verwirrten Frau am Dienstagabend während eines Gottesdienstes mit einem Messer angegegriffen und schwer verletzt worden. Er starb nach Angaben der Polizei kurz danach. Schutz hatte in den 40er Jahren die ökumenische Gemeinschaft von Taizé in Burgund gegründet. Heute leben in der ökumenischen "Communauté de Taizé" mehr als 100 Brüder aus rund 25 Ländern. (epd Niedersachsen-Bremen/b2660/17.08.05)

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber zum Tod von Frère Roger Schutz
„Mit fassungsloser Bestürzung und in persönlicher Betroffenheit habe ich die Nachricht über den gewaltsamen Tod von Frère Roger Schutz aufgenommen. Unsere Gespräche und gemeinsamen Gebete kamen mir wieder in den Sinn. An die Briefe musste ich denken, die ich mit ihm erst vor kurzem aus Anlass seines neunzigsten Geburtstags gewechselt hatte. Die eindrückliche Szene stand mir wieder vor Augen, wie er beim Trauergottesdienst für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz in Rom aus der Hand des damaligen Kardinalsdekans Ratzinger als erster unter den dort versammelten Gläubigen überhaupt die Kommunion empfing. Fassungslos und bestürzt bin ich darüber, dass dieser Mensch einer solchen unbegreiflichen Attacke auf sein Leben zum Opfer fiel.

Als Gründer und Prior der Gemeinschaft in Taizé hat Roger Schutz unzählige gerade auch junge Menschen geprägt und eine geistliche Heimat finden lassen. Sein Tod in den Tagen des Weltjugendtages zeichnet diese Verbindung auf tragische Weise nach.

Der Lebensweg Frère Rogers war bestimmt von einem tief im Glauben wurzelnden Engagement für die Ökumene. Nachdem er 1940 in Frankreich zusammen mit Gleichgesinnten eine Gemeinschaft gegründet hatte, die Juden vor den Nazis versteckte und Flüchtlingen Schutz gab, wuchs diese von ihm gegründete Kommunität zu einer Quelle des ökumenischen Miteinanders.

Für viele Menschen waren die Begegnungen mit ihm und die Erfahrungen in der Gemeinschaft von Taizé prägend für ihr ganzes Leben. Die Möglichkeit des persönlichen Austauschs und insbesondere das gemeinsame Gebet haben viele Christen in ihrem persönlichen Glauben gewisser gemacht. An vielen Orten sind Abendgebete und Gottesdienste nach der Liturgie und mit den Liedern aus Taizé entstanden und den Menschen zur Heimat geworden. Einige Lieder aus Taizé haben einen festen Platz im Gesangbuch der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit in den Gottesdiensten der evangelischen Kirchengemeinden gefunden.

Die europäischen Jugendtreffen, von denen einige in Deutschland, zuletzt vor zwei Jahren mit Frère Roger in Hamburg, stattgefunden haben, sind für viele zu Quellen der Glaubensgewissheit und der ökumenischen Verständigung geworden. Das alles wurde möglich, weil der Prior von Taizé in allem Versöhnung, Trost und eine besondere Zuversicht ausgestrahlt hat. Er bleibt für viele Menschen eine Orientierung und ein Vorbild wie nur wenige.

Es ist besonders schrecklich und unfassbar, dass ein Mensch, dessen Ziel Frieden, Versöhnung und Gewaltlosigkeit war, nun durch einen Akt der Gewalt den Tod gefunden hat. Aber sein Zeugnis für Frieden und Versöhnung bleibt ebenso wie die Innigkeit seines persönlichen Glaubens ein Vermächtnis für die Zukunft.

Für die Richtigkeit
Hannover/Berlin, 17. August 2005
Pressestelle der EKD
Christof Vetter

Anregungen aus dem Kirchenamt für eine besondere Gestaltung des Gottesdienstes am 13. Sonntag n.T., dem 21. August 2005,unter dem Eindruck der Ermordung des Gründers der Gemeinschaft von Taizé, Roger Schutz

Die Frömmigkeit der Brüder aus Taizé, wesentlich geprägt durch Frère Roger und der Musik von Jacques Berthier, hat mehrere Generationen evangelischer Christen geprägt und eine junge, überzeugende Form eröffnet, das Geheimnis des Glaubens zu feiern, über Gottes Gegenwart in unserer Welt zu staunen und ihn anzubeten. Ungezählte Jugendgruppen haben Reisen nach Taizé unternommen, um den originalen Ort der so deutlich ökumenisch ausgerichteten Gemeinschaft der Brüder (später auch der Schwestern) von Taizé kennen zu lernen. Internationale Taizé-Tage fanden auch in Deutschland statt (zuletzt 2003 in Hamburg). Taizé und sein Gründer Frère Roger haben große Ausstrahlung entwickelt, an vielen Orten gibt es heute Taizé-Gebetskreise, (Jugend-) Gottesdienste mit Taizé-Elementen; auch im Evangelischen Gesangbuch (EG) sind viele Lieder aus Taizé aufgenommen.

Vor diesem Hintergrund regen wir jene Gemeinden an, die sich nahe wissen der Bewegung aus Taizé und Roger Schutz, im Gottesdienst am kommenden Sonntag, den 13. Sonntag nach Trinitatis am 21. August 2005, in besonderer Weise die Frömmigkeitstradition aus Taizé anklingen zu lassen und in einem Fürbittgebet Frère Roger und der Gemeinschaft seiner Brüder und Schwestern zu gedenken. Dazu geben wir folgende Anregungen:

1. Im Stammteil des Evangelischen Gesangbuches gibt es einige Liedern von Jacques Berthier aus Taizé; oft sind in den Gemeinden eigene Taizé-Liederhefte vorhanden. Es ist sicher ein gutes Zeichen für die Gemeinden, einige Taizé-Lieder in diesem Gottesdienst singen zu lassen. Das gilt natürlich auch für die liturgischen Teile des Ordinariums (z.B. das sehr bekannte Kyrie unter der Nr. EG 178.12 oder der Lobgesang „Laudates omnes gentes“ unter EG 181.6). Ebenfalls im Gesangbuch unter der Nr. 789.1–7 ist ein gemeinsames Gebet nach Taizé vorgeschlagen mit einigen weiteren bekannten Liedern.

2. Der vorgeschriebene Psalm 112, Vs 5-9 ist - wenn man den Kummer und den Schmerz über den Tod von Frère Roger in Zuversicht aufnehmen bzw. anklingen lassen will - vielleicht nicht optimal; möglicherweise ist es für die Situation besser, wenn man Teile aus Psalm 23, 31, 46, 73, 90 oder 91 betet. Alle diese Psalmen sind im Gesangbuch unter der Nr. 702 ff gedruckt.

3. Die vorgeschriebene Epistel aus 1. Joh 4,7-12, die die Gemeinschaft unter den Brüdern betont und das Evangelium vom barmherzigen Samariter aus Lukas 10,25-37 sprechen in markanter Weise eine der wichtigsten Grundlagen der Bruderschaft aus Taizé an, nämlich die Zusammengehörigkeit der Brüder und ihre Bereitschaft, anderen zu helfen, - nicht nur in konkreter, solidarischer Weise wie in der Zeit der Nazi-Verfolgung gegenüber den Juden, sondern auch in einem geistlichen Sinne durch Fürbitte und Anteilnahme für Verfolgte und Leidende heute.

Die alttestamentliche Lesung aus 1. Mose 4,1-16a, lässt mit der Geschichte von Kain und Abel die dramatischen Umstände des Todes von Roger Schutz anklingen und erinnert daran, dass erste Brudermord in der Bibel - wie man mit großer Bestürzung immer wieder einsehen muss - keineswegs der letzte in der Geschichte der Menschheit.

Der vorgeschriebene Predigttext aus Mk 3,31-35 unter der Überschrift 'Jesu wahre Verwandte' ließe sich auslegen im Blick auf die "geistliche Verwandtschaft", die durch den Glauben über alle Konfessionsgrenzen hinweg auch durch Frère Roger und seine Bruderschaft entwickelt und bestärkt worden ist. Die konsequent ökumenisch ausgerichtete Frömmigkeit in Taizé hat eine ganze Generation von Christen geprägt, sie für den ökumenischen Geist geöffnet und die gemeinsamen Glaubenswurzeln der katholischen und evangelischen Christen unterstrichen. Dies zu würdigen ist sicher eine wichtige Aufgabe in der Predigt. Weitere Angaben zum Lebenslauf und zur Biographie von Frère Roger finden Sie auf der Internet-Seite der EKD (www.ekd.de)

5. Das Fürbittgebet ist der wohl intensivste Ort, um dem verstorbenen Frère Roger und seiner Bruderschaft zu gedenken. Folgendes Fürbittgebet mag als Anregung für eigene Formulierungen dienen:

Gott,
vor dich stellen wir unseren Kummer um Frère Roger,
dessen plötzlicher Tod uns nach Worten ringen lässt.

Gemeinsam bitten wir dich (es folgt ein Taizé-Gesang)

Gott,
wir danken dir für diesen einen Menschen,
der dich hat sehen, spüren und erkennen dürfen in seinem Leben,
der von Dir zeugen konnte in guter Weise,
der uns geholfen hat, deinen guten Geist wahrzunehmen.

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé-Gesang)

Gott,
wir bitten dich mit unserem ganzen Herzen,
nimm seine Seele auf in Dein Reich,
lass ihn Dein Licht sehen,
schenke ihm die Gemeinschaft mit Deinem Sohn Jesus Christus,
dass er erfährt, was er geglaubt hat.

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé-Gesang)

Gott,
wir bitten dich für die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft in Taizé,
dass ihnen Geist und Kraft und Trost zuwächst aus deiner Güte,
und sie Halt finden im Glauben an die Auferstehung unseres Herrn Jesu Christi,

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé-Gesang)

Gott,
wir beten aber auch für alle anderen,
die in dieser Stunde sterben müssen,
lass sie nicht alleine.

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé Gesang)

Gott,
wir bitten dich für alle,
die Schweres tragen müssen, die der Kummer zerreißt,
die Abschied nehmen müssen und es schwer haben loszulassen.

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé Gesang)

Gott, wir bitten dich für alle,
die Unerträgliches getan haben,
segne sie mit Schuldeinsicht,
führe sie zurück in Dein Licht.
Wir bitten dich für die,
die vor sich selbst geschützt werden müssen,
lass sie nicht los;
die sich selbst wegwerfen wie eine Kippe,
gib sie nicht auf

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizé Gesang)

Gott,
wir beten auch für alle Jugendlichen,
die in diesen Tagen den Weltjugendtag feiern,
die dich suchen in ihren Gemeinden, in Jugendgruppen, im Stillen,
für alle, die nach dir fragen und dich nicht aufgeben,
sei ihnen nahe, berühre ihr Herz,
lass sie mutig werden im Glauben und kräftig in der Liebe

Gemeinsam beten wir zu dir (es folgt der Taizè-Gesang)

Abschluss: Vater unser


Nachbemerkung:
Elemente aus dem Gebet und die Vorschläge der Lieder und der Psalmen können natürlich auch in Abendachten im Lauf der Woche verwendet werden.