Tagung der Societas Liturgica

Nachricht 08. August 2005

Ökumenische Gemeinsamkeiten der Liturgie stärken

Dresden – Auf die „ökumenische Dimension“ der Liturgie hat der Präsident der Societas Liturgica, Pastor i.R. Dr. Ottfried Jordahn (Hamburg), aufmerksam gemacht. „Die Kirchen haben mehr gemeinsam, als sie sich oft bewusst sind“, sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz vor Beginn des 20. Kongresses dieser internationalen ökumenischen Vereinigung von Liturgiewissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus aller Welt. Er rief dazu auf, diese Gemeinsamkeiten künftig noch mehr zu stärken. In der Dresdner Dreikönigskirche tagen vom 8. bis 13. August mehr als 200 römisch-katholische, lutherische, reformierte, methodistische, baptistische, anglikanische und orthodoxe Theologen und Kirchenmusiker unter dem Thema „Die verwandelnde und heilende Kraft der Liturgie in einer gebrochenen Welt“.

Vor Journalisten wies Dr. Jordahn darauf hin, dass viele Menschen das kirchliche Gottesdienstangebot für besondere Situationen des Lebens sehr schätzten, auch wenn sie ihrer Kirche distanziert gegenüber stünden. Sie spürten jedoch eine Sehnsucht nach Spiritualität und seien an einer Vertiefung ihres Lebens interessiert. Nicht wenige lernten auf diese Weise auch wieder althergebrachte Gottesdienste schätzen. Liturgie stehe für Wiedererkennbarkeit und vermittle Geborgenheit, auch wenn der Inhalt nicht immer verstanden werde.

Privatdozent Dr. Martin Stufflesser, Sekretär der Societas Liturgica, betonte die 2000-jährige Kompetenz der Kirche im Blick auf Riten. Menschen suchten nach Trost, Zuspruch und Sinnangeboten, doch stelle das herkömmliche Gottesdienstangebot oft eine „hohe Schwelle“ dar. Die Kirchen zeigten sich jedoch sensibel für die Bedürfnisse der Menschen und böten zunehmend offenere Formen an, erläuterte Dr. Stufflesser, der am Seminar für Liturgiewissenschaft im Fachbereich Katholische Theologie in Münster unterrichtet. Im Blick auf die Kirchenmusik habe man nicht nur Gregorianik, sondern auch Rap, Soul und Blues im Angebot.

Oberkirchenrat Hans Krech (Hannover), Gottesdienst- und Liturgiereferent der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), sagte, Menschen in außergewöhnlichen Situationen fragten zur Bewältigung tiefer Erschütterung verstärkt nach Riten. Diese hätten entlastende Funktion. „Kirchen werden dadurch attraktiv, dass ihre Gottesdienste spirituell sind.“

Hinweis: Weitere Informationen über den Kongress können im Internet unter www.societas-liturgica.org und www.velkd.de abgerufen werden.


Zunehmende Sehnsucht nach Gottesdiensten bei akuten Katastrophen

Dresden – In Deutschland ist nach Einschätzung des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Bischof Dr. Hans Christian Knuth (Schleswig), „trotz aller Distanziertheit zum Glauben und zur Kirche eine zunehmende Sehnsucht nach Gottesdiensten“ fest zu stellen. Dies sei bei weltlichen und nichtkirchlichen Instanzen, gerade auch bei öffentlichen Trauerakten deutlich zu spüren. In seiner Predigt im Festgottesdienst zur Eröffnung des 20. Kongresses der Societas Liturgica am 8. August in der Dreikönigskirche in Dresden sagte Bischof Dr. Knuth: Aufgewühlte, verängstigte, jäh aufgeschreckte Gemüter suchten nach einem Halt, nach Gemeinschaft im Leid und in der Trauer – ob nach den Terroranschlägen des 11. September, nach der Tsunami-Katastrophe in Asien, nach Flugzeugabstürzen, Busunglücken oder Schiffsuntergängen. „Da ist der Gottesdienst trotz aller Medienvielfalt unersetzbar und unvergleichlich.“ Wo sonst werde Todesangst und Schulderfahrung bearbeitet, wo Hoffnung über den Tod hinaus proklamiert, fragte der Leitende Bischof der VELKD..

Im Blick auf das Tagungsthema – „Die verwandelnde und heilende Kraft der Liturgie in einer gebrochenen Welt“ – betonte Knuth: „Wir Kirchen können auch in akuten Katastrophenfällen, in kollektiven oder individuellen Trauerphasen aus dem Schatz unserer Tradition schöpfen. Liturgie ist gemeinsame Feier des Evangeliums.“ Dabei sei die christliche Hoffnung nicht einfach eine besondere Variante aller möglichen anderen Hoffnungen, so der Bischof. „Nicht nur die Kraft der Hoffnung ist eine andere, auch die Inhalte der Hoffnungen unterscheiden sich vom Prinzip Hoffnung der Philosophen und von den Utopien moderner Hoffnungsträger.“

Auf Einladung der VELKD diskutieren bis zum 13. August mehr als 200 Liturgiewissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus aller Welt. Präsident der internationalen ökumenischen Societas Liturgica ist Pastor i.R. Dr. Ottfried Jordahn (Hamburg).

Hinweis: Der vollständige Wortlaut der Predigt von Bischof Dr. Hans Christian Knuth kann im Internet unter www.societas-liturgica.org und www.velkd.deheruntergeladen werden.

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