Der Pastor als Unternehmensberater

Nachricht 25. Juli 2005

Kirchlicher Dienst sorgt in Betrieben für "prima Klima"

Von Dieter Sell (epd)
Stade (epd). Statt Talar und Beffchen gehören der Moderatorenkoffer und das Flip-Chart zur Grundausstattung, wenn der evangelische Pastor Walter Punke und Sozialsekretär Wulf Gräntzdörffer in den Betrieb kommen. Unter dem Titel "Prima Klima" hat das Stader Duo des landeskirchlichen Dienstes in Arbeitswelt und Wirtschaft eine besondere Form der ethischen Unternehmensberatung entwickelt. In Niedersachsen nutzen bereits Verwaltungen, Pflegende, Touristiker, Ingenieure und Teams in der chemischen Industrie das Angebot.

Auftraggeber wie die Samtgemeinde Harsefeld bei Stade sind begeistert: "Da steht der Mensch im Mittelpunkt", schwärmt Christa Wittkowski, Gleichstellungsbeauftragte der Verwaltung. Nach einem ersten Kontakt mit dem Mobbing-Experten Gräntzdörffer hat Wittkowski die Beratung initiiert. "Wir hatten das Gefühl, dass unser Betriebsklima nicht das Beste ist", beschreibt Wittkowski die Ausgangslage.

Eine Fragebogenaktion bestätigte den Eindruck. 63 Prozent der etwa 40 Beschäftigten empfanden die Kultur an den Arbeitsplätzen in den Amtsstuben gerade mal erträglich. "Da war uns klar, da müssen wir was tun", erinnert sich Hauptamtsleiter Bernd Meinke. Wie in Harsefeld gehen Punke und Gräntzdörffer immer in vier Schritten vor, um das Problem anzupacken. Nach einem Vorgespräch folgt eine Bestandsaufnahme, an der möglichst alle Beschäftigten beteiligt sind. Ergebnis ist ein Aktionsplan, auf den sich alle einigen.

Seine Umsetzung wird regelmäßig durch eine Steuerungsgruppe einem "TÜV" unterzogen. "Es sind vor allem die kleinen Schritte, durch die sich das Klima im Betrieb verbessert", betont der Theologe Punke. "Aber ein Fragebogen reicht nicht. Es müssen konkrete Verbesserungen folgen, sonst ist es eine Mogelpackung." In Harsefeld hat die Verbesserung der Kommunikation über regelmäßige Dienstbesprechungen, einen internen Info-Dienst, EDV-Schulungen und bessere Arbeitsplatzbeschreibungen viel bewirkt.

"Immer geht es um die Leitfragen, wo sind wir gut, wo hakt es und welche Wünsche haben wir", erläutert Gräntzdörffer. Statt nur die Störfaktoren zu analysieren, fragen die Berater auch danach, warum sich Menschen an ihrem Arbeitsplatz wohl fühlen. Punke: "Die Aufgaben müssen verstehbar sein, sie müssen gestaltet werden können und Sinn machen."

Die Beschäftigten begegnen Kirche statt McKinsey in der Regel vertrauensvoll, weil nicht der Verdacht aufkommt, es geht nur um den Abbau von Arbeitsplätzen. "Die Menschen stärken, die Sachen klären", ist so auch das Motto der Beratung, in der es aber auch um die wirtschaftliche Perspektive geht, betont Punke: "Wenn das Betriebsklima stimmt, sinkt der Krankenstand, und die Arbeitszufriedenheit und die Leistung wachsen." (epd
Niedersachsen-Bremen/b2524/25.07.05)

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