Sonne finanziert Jugendarbeit

Nachricht 21. Juli 2005

Kirchliches Modellprojekt erschließt natürliche Geldquelle

Von Dieter Sell (epd)

Stade (epd). Pastor Volker Dieterich-Domröse freut sich über jeden Sonnenstrahl. Seit auf dem Dach seines Pfarrhauses in Stade eine Fotovoltaik-Anlage installiert ist, bedeutet jede Minute ohne norddeutsches Schmuddelwetter bares Geld für die evangelische Markus-Gemeinde. Die Energie wird an die örtlichen Stadtwerke verkauft und bringt laut Dieterich-Domröse jährlich etwa 2.500 Euro. Der Erlös fließt komplett in die Diakonie und in die Jugendarbeit der Gemeinde.

Auf dem Pfarrhausdach sind 52 Quadratmeter Sonnenkollektoren installiert, die jährlich rund 5.600 Kilowattstunden Strom liefern. Jede Kilowattstunde wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit 54 Cent vergütet. "Für die Anlage haben wir 39.000 Euro investiert", sagt Dieterich-Domröse, der fast die Hälfte dieser Summe bereits durch Spenden abgedeckt hat. Die noch ausstehenden 22.000 Euro will er durch eine Kampagne unter dem Titel "Sonne der Gerechtigkeit"
einwerben.

"Die Spendenbereitschaft ist groß", freut sich der Theologe über die Begeisterung, die seine Initiative in der Gemeinde auslöst. Die Aktion hat Modellcharakter in der hannoverschen Landeskirche. Begleitet wird sie von "Sozialanleihen", die Dieterich-Domröse in Form von Aktien aufgelegt hat, damit sich Interessierte finanziell beteiligen können. "Wenn es gut läuft, können wir erweitern", blickt der Pastor optimistisch in die Zukunft. "Dachfläche ist genug da, auch auf der Kirche."

Die Erlöse könnte Dieterich-Domröse gleich mehrfach ausgeben. Die Landeskirche hat für die nächsten Jahre drastische Kürzungen ihrer Zuschüsse für Personal und Sachkosten angekündigt. Andererseits wächst die Zahl der bedürftigen Menschen in den drei Ortsteilen der rund 6.000 Mitglieder zählenden Gemeinde, in denen viele Aussiedler leben. "Die Hälfte unserer sonntäglichen Gottesdienstbesucher hat früher in der ehemaligen Sowjetunion gelebt", erläutert Dieterich-Domröse.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen lässt sich der Theologe nicht entmutigen und begegnet dem Minus bei den Kirchensteuereinnahmen mit Kreativität. So ist ein Teil des Solar-Geldes für Kindertreffs und ein Jugendzentrum vorgesehen. Und auch die Arbeit von Diakon Jens Zoufahl für die etwa 1.200 Aussiedler in der Gemeinde soll von der Kraft der Sonne profitieren.

Am 18. September feiert die Gemeinde ihr 40-jähriges Bestehen. Bis dahin hofft Dieterich-Domröse, dass sich noch viele Sponsoren von der Verbindung zwischen Sonne und Jugendarbeit begeistern lassen. "Wir bitten um eine wahrhaft nachhaltige Spende", betont der 46-Jährige. "Einmal bezahlen - und über 20 Jahre fließt das Geld in die Gemeindearbeit." (epd Niedersachsen-Bremen/b2503/21.07.05)

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