„Welches Europa wollen die Menschen?“

Nachricht 12. Juli 2005

Prälat Stephan Reimers traf den EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, Prälat Stephan Reimers, nahm am heutigen Dienstag, den 12. Juli, in Brüssel an einem Gespräch mit dem Kommissionspräsidenten der Europäischen Union, José Manuel Barroso, und Vertretern der drei monotheistischen Religionen teil.

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten die Europäische Kommission und die Religionsvertreter die jüngsten Terroranschläge in London und betonten, dass religiöse Gründe niemals als Rechtfertigung für derartige Akte gegen die Menschlichkeit missbraucht werden dürften. Außerdem bekräftigten die jüdischen, christlichen und muslimischen Vertreter ihre Unterstützung für die europäische Integration als Versöhnungs- und Friedensprojekt. Im Dialog mit der Europäischen Kommission wollen sie dazu beitragen, eine gemeinsame Vision von Europa Wirklichkeit werden zu lassen.

Angesichts der gegenwärtigen Krise der Europäischen Union nach den ablehnenden Verfassungsreferenda in Frankreich und den Niederlanden ging es bei dem Treffen darum, mögliche Zukunftsperspektiven für mehr Bürgernähe und Transparenz in Europa aufzuzeigen. Ziel müsse es sein, die Kluft zwischen Europa und den Bürgern zu überwinden, so Kommissionspräsident Barroso.

Die Religionsvertreter unterstrichen die Rolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften bei der Wertevermittlung. Prälat Reimers regte in dem Gespräch an, die Sorgen und Ängste der Bürger ernster zu nehmen. Die Frage „Welches Europa wollen die Menschen?“ sollte den Leitfaden für die Europapolitik bilden. In einer Zeit des Individualismus wären die Bedingungen für die Akzeptanz von Institutionen nicht einfach.

In Anspielung auf die Regelungsdichte der europäischen Gesetzgebung sagte Reimers: „Manchmal ist weniger mehr“. Der Gedanke der Subsidiarität müsse noch stärker berücksichtigt und die Zuständigkeitsbereiche der Nationalstaaten respektiert werden. So könnte es nicht angehen, dass die Forschung an embryonalen Stammzellen, die in manchen Mitgliedstaaten strafrechtlich verboten sei, mit europäischen Geldern gefördert würde.

Abschließend begrüßte der Prälat die Einladung des Kommissionspräsidenten an den Kreis, sich in sechs Monaten erneut zur informellen Beratung zusammenzufinden.

Von protestantischer Seite nahmen an dem Treffen außerdem die Leiterin des EKD-Büro Brüssel, Sabine von Zanthier, der Vizepräsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Thomas Wipf, sowie der Direktor der Kommission für Kirche und Gesellschaft der KEK, Rüdiger Noll, teil.

Brüssel, 12. Juli 2005
Pressestelle der EKD
Katrin Hatzinger