20. Kongress der Societas Liturgica

Nachricht 12. Juli 2005

Internationale ökumenische Liturgie-Experten tagen in Dresden

Auf Einladung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) findet in der Zeit vom 8. bis 13. August 2005 in Dresden der 20. Kongress der internationalen ökumenischen Societas Liturgica statt. Die Societas Liturgica ist ein Zusammenschluss von gegenwärtig über 450 Liturgiewissenschaftlerinnen und Liturgiewissenschaftlern aus 40 Ländern und aus verschiedenen Kirchen und Konfessionen. Präsident ist seit dem 19. Kongress 2003 in Eindhoven der Hamburger lutherische Pastor Dr. Ottfried Jordahn. Ziele der Societas sind, Forschungen auf dem Feld des Gottesdienstes und mit ihm verwandten Gebieten anzustoßen sowie auf ihre pastoralen Konsequenzen hin zu befragen, den Austausch der Ergebnisse zu fördern, das gegenseitige Verständnis der unterschiedlichen liturgischen Traditionen zu vertiefen sowie nach Wegen zu suchen, die Wirkungen der Liturgie in unserer heutigen Welt ansprechend zur Geltung zu bringen.

Im Zweijahresrhythmus trifft sich die Societas Liturgica zu ihren Kongressen in unterschiedlichen Ländern und Kontinenten, um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Der 20. Kongress tagt im Haus der Kirche „Dreikönigskirche“ in der Dresdener Neustadt. Der Tagungsort hat mit der Geschichte der Frauenkirche das Thema stark mit geprägt: Es lautet: „Die verwandelnde und heilende Kraft der Liturgie in einer gebrochenen Welt“ (Worship as Transformation – To Heal a Broken World). In fünf Hauptreferaten, in über 50 Fallstudien und im Austausch aktueller Forschungen zu weiteren Themen werden den bis jetzt angemeldeten über 200 Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus aller Welt, Impulse und Perspektiven für die weitere Arbeit gegeben. Das Signet des ist das Versöhnungskreuz auf der Frauenkirche. Als Gäste werden Repräsentanten der Kirchen, der Stadt Dresden und des Freistaates Sachsen erwartet.

Gerade in Zeiten großer Umbrüche und neuer Fragen nach Orientierung gewinnt der Gottesdienst neu Bedeutung für die Menschen auf ihrer Suche nach Frieden und Versöhnung angesichts der Gefahren des Terrorismus, der ethischen Entwurzelung und allgemeiner Verunsicherung.

Der Kongress beginnt mit einem Gottesdienst am 8. August um 19 Uhr, in dem der Leitende Bischof der VELKD, Bischof Dr. Hans Christian Knuth (Schleswig), predigt. Der Präsident der Societas eröffnet im Anschluss die Tagung mit dem Vortrag „Die wiederaufgebaute Dresdener Frauenkirche als Symbol der heilenden Kraft der Liturgie in der gebrochenen Welt“, der Erfurter römisch-katholische Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann referiert am 9. August über „Christliche Feiern des Glaubens und religiöser Pluralismus in der modernen Gesellschaft“. Er wird u.a. der Frage nachgehen, welche Rolle die Kirchen bei Katastrophenereignissen (Gutenberg-Gymnasium Erfurt, WTC New York etc.) öffentlich übernimmt und geht der Frage nach der heilenden Dimension der Liturgie nach. Teresa Berger, Durham/USA, spricht am 12. August zum Thema „Breaking bread in a broken world“. Sie thematisiert darin unter dem Aspekt der Gender-Frage, ob liturgische Riten in den Religionen soziale Ungerechtigkeiten stabilisieren oder die Menschen wirklich verändern. Neben Thomas Best vom Ökumenischen Rate der Kirchen (ÖRK) in Genf und Patrick Prétot (Paris), wird Canon Paul Östreicher (Coventry), am letzten Tag des Kongresses einen Vortrag über „Incarnate liturgy“ halten. Der langjährige Leiter des Internationalen Versöhnungszentrums der Kathedrale von Coventry ist bekannt als Journalist und Publizist auf den Gebieten Frieden, Menschenrechte, Glaube und Gesellschaft. Er trat in seiner Arbeit über Jahrzehnte für Ost-West-Versöhnung im Kalten Krieg ein und war bei Amnesty International für politische Gefangene, besonders in Osteuropa und Südafrika tätig. Heute ist er besonders aktiv engagiert in dem Verein: „Juden für Gerechtigkeit für Palästina“. In Dresden behandelt er besonders die Versöhnung zwischen Briten und Deutschen und die Heilung ihrer Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Programm des Kongresses sieht tägliche Gottesdienste unterschiedlicher Traditionen in der Dreikönigskirche, der Hofkirche sowie der Unterkirche der Frauenkirche vor. Der zentrale Abendmahlsgottesdienst wird am 11. August, 17 Uhr, im Anschluss an Exkursionen u.a. nach Pillnitz und Meißen im Dom zu Meißen gefeiert. Musikalisch wird dieser Gottesdienst von einem internationalen Kongresschor und der Meißener Kantorei unter Leitung von Christfried Brödel gestaltet.

Zum Abschluss des Kongresses wird Prof. Dr. David Holeton, Prag, die Präsidentschaft übernehmen. Die Mitgliederversammlung wählt zuvor einen neuen Vizepräsidenten, der in zwei Jahren die Leitung turnusmäßig übernehmen wird.

Die Dreikönigskirche in Dresden / das „Haus der Kirche“ ist das Tagungszentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Sachsen. Das große barocke Gebäude befindet sich in Dresden-Neustadt, es war beim Bombenangriff auf Dresden am 13 Februar 1945 zerstört worden und blieb zunächst eine Ruine, bis es zwischen 1984 und 1990 wieder aufgebaut wurde: äußerlich in der ursprünglichen Ansicht, innen als Tagungsstätte, die sich um den Kirchenraum im Zentrum gruppiert.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.societas-liturgica.org, insbesondere im Newsletter Nr. 30, der auch das detaillierte Programm enthält. Auf der Homepage finden Sie auch Porträtfotos des amtierenden und des designierten Präsidenten.


(Der Autor, Oberkirchenrat Hans Krech, ist im Lutherischen Kirchenamt der VELKD u.a. für Gottesdienstarbeit und Liturgiefragen zuständig. Er organisiert den Kongress der Societas Liturgica in Dresden.)

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