Experten diskutieren über medizinische Versorgung am Lebensende

Nachricht 23. Juni 2005

"Liebe zu den Menschen und zur Wahrheit" - Experten diskutieren über medizinische Versorgung am Lebensende

Von Karen Miether (epd)

Winsen/Kr. Harburg (epd). Im Beruf von Regina Greiner sind Ehrlichkeit und Einfühlungsvermögen wichtig. Die leitende Schwester einer Palliativstation sagt Patienten nicht: "Das wird schon wieder".
Die Menschen, die auf ihre Station kommen, wissen zumeist, dass sie in absehbarer Zeit sterben werden. "Wichtig sind dann Zeit, Liebe zu den Menschen, Mut und Liebe zur Wahrheit", sagte Greiner am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in Winsen/Luhe.

Greiner arbeitet am Krankenhaus der Kreisstadt Winsen bei Hamburg, das seit 2001 eine Station mit inzwischen fünf Palliativbetten hat. Auf Initiative aus dem Krankenhaus diskutierten Experten in der St.-Marien-Kirche über die Versorgung Schwerstkranker. In der sogenannten palliativen Versorgung werden schwerstkranke Menschen ganzheitlich behandelt. Sie will Körper, Geist und Seele des Patienten wie mit einem Mantel (lateinisch pallium) "umhüllen".

In rund 100 Palliativstationen und 130 stationären Hospizen sowie von ambulanten Hospizdiensten stehe man den Menschen bei, sagte der Bonner Palliativmediziner Eberhard Klaschik. Ausreichend sei die Versorgung jedoch nicht. Auch die Ausbildung von Ärzten und Pflegekräften müsse noch verbessert werden.

Klaschik ist Mitglied einer Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags, die in der kommenden Woche einen Bericht mit Empfehlungen an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse überreichen will. Darin soll nach seinen Worten unter anderem gefordert werden, das Recht auf eine umfassende palliative Versorgung Schwerstkranker gesetzlich zu verankern.

Das Thema Tod werde zu oft bagatellisiert und tabuisiert, sagte die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann. "Es ist wichtig, dass wir miteinander und mit den Sterbenden über den Tod reden." Die Bischöfin berichtete von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Sterben eines engen Freundes der Familie im vergangenen Jahr. Auch Kinder sollte man in die Gespräche einbeziehen, sagte Käßmann und erntete dafür viel Applaus.

Mehr als 500 Menschen waren zu der Diskussion in die Kirche gekommen. "Warum beschäftigen sie sich am Sommerabend mit Palliativmedizin, anstatt zu grillen?", fragte der Moderator des Abends, Bernd Seguin, das Publikum. Und die Antworten zeugten davon, dass das Thema alle angeht: "Ich denke an meinen Vater, der alt und krank ist", sagte eine Zuhörerin. (epd Niedersachsen-Bremen/b2175/23.06.05)
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