Land und Institut wollen benachteiligte Kinder fördern

Nachricht 23. Juni 2005

Hannover (epd). Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen und das Land wollen mit einem gemeinsamen Modellversuch Kinder aus sozial stark benachteiligten Familien fördern. Für diese Kinder stünden oftmals Armut, Alkohol, Drogen oder Gewalt auf der Tagesordnung, sagte Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Dienstag in Hannover:
"Aus Studien in den USA wissen wir, dass wir diesen Kindern entscheidend helfen, wenn wir für sie verlässliche Beziehungen herstellen." So könne das Kind später bei Konfliken Halt finden.

Das nach Angaben der Ministerin bundesweit einmalige Projekt wird Anfang 2006 in Hannover mit 200 Kindern starten. Vor allem allein erziehende Mütter sollen Hilfe erhalten. Schon während der Schwangerschaft sollen Familienhebammen die Frauen besuchen, auf Risiken wie Alkohol oder Rauchen hinweisen und Probleme erkennen. Später werden die Kinder etwa von Familienhelferinnen begleitet. In speziellen Krippen und Kindergärten oder bei Tagesmüttern werden sie bis zum Schulbeginn gefördert. Die Eltern erhalten Unterstützung bei der Ausbildung oder der Arbeitsplatz-Suche.

In den USA seien solche Projekte sehr erfolgreich, sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes, Professor Christian Pfeiffer:
"Mit ihnen wurde erreicht, dass diese Kinder später weniger krank, arm, drogenabhängig und kriminell wurden als Kinder aus vergleichbaren Familien, die nicht gefördert wurden." Die Förderung rechne sich, weil Gefängnisstrafen, Drogentherapien, Krankenhausaufenthalte oder der Bezug von Sozialhilfe letztlich viel teurer seien als die Frühprojekte.

Bereits im Alter von 20 Jahren habe jeder Dollar, der in die Frühförderung geflossen sei, vier Dollar an Folgekosten gespart. Bei einem schon länger bestehenden Projekt wurde nach 34 Jahren sogar eine Ersparnis von 16,6 Dollar errechnet. Land und Institut suchen zurzeit Stiftungen, die sich an der Finanzierung des Projektes beteiligen. (epd
Niedersachsen-Bremen/b2146/21.06.05)
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