von Vietinghoff: Kirche kann nicht mehr alles überall tun

Nachricht 17. Juni 2005

Hannover (epd). Der Kirchenamtspräsident Eckhart von Vietinghoff hat angesichts der Sparpläne in der hannoverschen Landeskirche vor Panikmache gewarnt. "Angst vor der Zukunft wäre unchristlich", sagte er am Freitag in einem epd-Gespräch: "Das Licht wird in den Gemeinden und in unseren Kirchen nicht ausgehen. Aber wir können nicht mehr alles überall und auch nicht alles mit Hauptamtlichen leisten."

Die mit rund 3,1 Millionen Mitgliedern größte evangelische Landeskirche in Deutschland will bis zum Jahr 2010 ihre Ausgaben um 80 Millionen Euro verringern. Hintergrund ist ein Defizit von 72,8 Millionen Euro beim Haushalt 2004, der rund 520 Millionen Euro umfasste.
Nach Angaben der Landeskirche ist nur durch Einsparungen zu verhindern, dass die Rücklagen der Kirche bis 2011 aufgebraucht sind. Ein Ausschuss hat Sparperspektiven bis 2020 erarbeitet, die bei Mitarbeitern und Kirchenmitgliedern für erhebliche Unruhe sorgten.

"Die Vorschläge des Perspektiv-Ausschusses kann nur als Schock empfinden, wer die ständigen Informationen durch die Landessynode und das Landeskirchenamt in den letzten Jahren überhört hat", sagte von Vietinghoff. Die angespannte Finanzlage sei den Ehrenamtlichen und beruflich Verantwortlichen längst bekannt und immer wieder bekannt gemacht worden: "Neu ist jetzt nur, dass wir längerfristig planen und nicht mehr das Rasenmäher-Prinzip anwenden, sondern deutliche Schwerpunkte setzen."

Von den Schwerpunkten der kirchlichen Arbeit wolle sich die Landeskirche auch beim Sparen leiten lassen. Dies seien Verkündigung, Diakonie, Bildung und die Präsenz in Kultur und Öffentlichkeit: "Als Leitfrage liegt auf dem Tisch: Welche herausragende Bedeutung für die Zukunft des Protestantismus in unserem Lande hat die jeweilige Aufgabe.
Wie deutlich ist ihr evangelisches Profil?" Einen inhaltlichen Traditionsabbruch sehe er nicht, sagte der Präsident: "Wohl aber werden wir unsere Arbeitsweisen an die begrenzteren Möglichkeiten anpassen."

Von Vietinghoff plädierte für mehr Kooperation unter den 23 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): "Mehr grenzüberschreitende verbindliche Arbeitsteilung ist dringend erforderlich." Dafür sei bereits eine wachsende Bereitschaft zu erkennen.

"Auch im Jahr 2020 wird kirchliches Leben in unserem Land quicklebendig sein und ausstrahlen", sagte der Präsident. Institutionell werde sich einiges verändert haben: "Aber das ist der ganz normale Weg der Kirche durch die Jahrhunderte." Zu einzelnen Sparvorschlägen wollte sich von Vietinghoff nicht äußern. Er könne der Diskussion darüber nicht vorgreifen. Die Vorschläge sollen Ende Juni von der Synode, dem Parlament der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, beraten werden. (epd Niedersachsen-Bremen/b2114/17.06.05)
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