Hildesheim feiert 20 Jahre Weltkulturerbe

Nachricht 08. Juni 2005

Von Michael Grau (epd)
Hildesheim (epd). Wenn Konservator Karl Bernhard Kruse ein Teil des kostbaren Hildesheimer Hezilo-Leuchters in die Hand nimmt, zieht er vorher weiße Baumwoll-Handschuhe an. "Von diesen Radleuchtern gibt es weltweit nur vier, und dieser ist der größte und älteste", erzählt er. Sechs Meter misst der mittelalterliche Leuchter, der gerade restauriert wird, im Durchmesser. Aus 4.000 Teilen ist er zusammengebaut. Gemeinsam mit anderen Kunstwerken aus dem Dom in Hildesheim und mit der nahen St. Michaeliskirche wurde er vor 20 Jahren von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Vom 9. bis 11. Juni feiern die Hildesheimer deshalb ein großes Fest im Zeichen des Weltkulturerbes. "Das ist ein hochkarätiges Gütesiegel, ein echtes Highlight", sagt Hildesheims Marketing-Referentin Katrin Groß. Mit der Auszeichnung stehen die fast tausend Jahre alten Denkmäler auf einer Stufe mit der Akropolis in Athen und der Chinesischen Mauer. In Niedersachsen hat es nur noch das historische Goslar zum Weltkulturgut gebracht.

Schon 1981 stellte das Landesdenkmalamt in Hannover einen Antrag auf die Auszeichnung als Weltkulturerbe, allerdings zuerst nur für die 1022 eingeweihte St. Michaeliskirche. "Man wollte das Schönste Niedersachsens in diesen Club des Edelsten bringen", erläutert Angela Weyer, Leiterin des Hildesheimer "Hornemann-Instituts" zur Erhaltung von Kulturdenkmälern. Beeindruckend an dieser Kirche seien vor allem die Raumproportionen, Säulen und Pfeiler, die zum Vorbild für viele andere Bauwerke geworden seien: "Das ist ein Stück europäischer Architektur-Geschichte."

Doch die UNESCO, die strenge Kriterien anlegt, zeigte sich skeptisch. Erst als 1984 die Kunstwerke im Dom mit eingebracht wurden, kam der Antrag durch. Neben dem Hezilo-Leuchter aus vergoldetem Kupfer, eingeweiht 1061 durch Bischof Hezilo, sind dies vor allem die wertvollen Bronze-Türen aus dem Jahr 1015 mit Szenen aus der Bibel und die bronzene "Christus-Säule" von 1020, die Szenen aus dem Leben Jesu zeigt. Erstmals seit der römischen Antike seien Künstler damals wieder in der Lage gewesen, so etwas zu gießen. "Fantastisch", schwärmt Weyer, "das ist erste Sahne."

Hinter den meisten dieser Werke steht der technisch und künstlerisch stark interessierte Bischof Bernward von Hildesheim (etwa 960-1022), der eine ganze Kunst-Epoche prägte und die heute evangelische St. Michaeliskirche als seine Grabeskirche errichten ließ. "Diese Kirche ist der bedeutendste romanische Kirchbau nördlich der Alpen", sagt der evangelische Landessuperintendent Eckhard Gorka aus Hildesheim. "Darin Gottesdienst zu feiern, ist eine Freude." Es sei aber auch eine Herausforderung, den Bau zu erhalten. Bis 2010 soll er umfassend restauriert werden.

Die Kirche ziehe enorm viele Touristen und Kulturinteressierte an, erzählt Gorka. Vielen Hildesheimern selbst sei allerdings gar nicht bewusst, welche Kulturschätze sie in ihrer Stadt hätten, sagt Professor Karl Bernhard Kruse, der als Diözesan-Konservator des katholischen Bistums Hildesheim die Restaurierung des Hezilo-Leuchters leitet. Immerhin öffne die Auszeichnung als Welterbe bei vielen Zuschuss-Gebern die Kassen. Bei allem Rummel um das Welterbe müsse jedoch eines festgehalten werden, ergänzt Gorka: "St. Michael ist kein Museum, sondern eine lebendige Kirche." (epd Niedersachsen-Bremen/b1997/08.06.05)
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