Pflege-Mitarbeiter der Diakonie zunehmend unzufrieden

Nachricht 08. Juni 2005

Oldenburg (epd). Die Mitarbeiter der diakonischen Pflegeeinrichtungen in Niedersachsen sind mit ihren Arbeitsbedingungen zunehmend unzufrieden. "Die Schere zwischen dem, was die Kranken- und Pflegekassen zahlen und dem, was wir für unsere Arbeit brauchen, geht immer weiter auseinander", sagte der Vorsitzende des Niedersächsischen Evangelischen Verbands für Altenhilfe und ambulante pflegerische Dienste, Martin Raabe aus Hannover, am Mittwoch in Oldenburg vor Journalisten.

Die Angestellten müssten weiterhin mit mehr Arbeit für weniger Geld rechnen. Im Schnitt blieben sie dem Pflegeberuf gegenwärtig nur sechs Jahre treu. Schon jetzt sei Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht, wenn es um die Arbeitszufriedenheit gehe. Um dem entgegen zu wirken, wolle der Pflege-Verband nun für eine optimistischere Unternehmenskultur werben. Die Mitarbeitenden sollten durch selbstständigeres Arbeiten besser motiviert werden.

Mit mehr Geld von den Kassen ist Raabe zufolge nicht zu rechnen. Eine Pflegekraft in der Diakonie koste etwa 42.000 Euro im Jahr. Die Kassen finanzierten aber nur 39.000 Euro pro Pflegekraft. Private Anbieter zahlten im gleichen Zeitraum durchschnittlich nur 27.000 Euro.

Als Hauptgrund für die hohen Pflegekosten machte Raabe die Bürokratie verantwortlich. Rund 800 mehr oder weniger sinnvolle Gesetze und Verordnungen müssten beachtet und kontrolliert werden, um eine Altenpflege-Einrichtung zu betreiben. Raabe berichtete von einer Einrichtung in Hannover, in der Demenz-Kranke in Wohngruppen leben: Damit sie gemeinschaftlich Kartoffeln schälen könnten, müssten die Patienten regelmäßig vom Gesundheitsamt über Hygienevorschriften belehrt werden.

Der Niedersächsische Evangelische Verband für Altenhilfe und ambulante pflegerische Dienste ist der größte Fachverband in der niedersächsischen Diakonie. Er vertritt 166 Träger von Altenhilfe-Einrichtungen mit zusammen 16.372 Plätzen und rund 11.000 Mitarbeitern. (epd Niedersachsen-Bremen/b2007/08.06.05)

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