Predigt der Landesbischöfin zum "Tag der Organspende"

Nachricht 01. Juni 2005

Hannover (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat dazu aufgerufen, sich schon zu Lebzeiten mit der Frage einer möglichen Organspende auseinanderzusetzen. "Wenn ich einen Organspendeausweis ausfülle, kann das ein Akt der Nächstenliebe sein", sagte sie am Mittwoch bei einem ökumenischen Gottesdienst zum "Tag der Organspende"
in der Marktkirche in Hannover. Der Gottesdienst war von der niedersächsischen Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) angeregt worden. Der "Tag der Organspende" fällt in diesem Jahr auf den 4. Juni.

"Wir dürfen dankbar sein für diese neue Chance des Heilens", sagte Käßmann. Für die Angehörigen eines hirntoten möglichen Organspenders sei es wichtig zu wissen, wie er zu Lebzeiten dazu stand. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle müssten sie unter Zeitdruck entscheiden, ob ihm Organe entnommen werden dürften. Dies könne äußerst belastend sein.
Sich mit dem eigenen Sterben zu beschäftigen, sei "eine Frage der Klugheit", so Käßmann. Die evangelische Bischöfin mahnte zugleich, die Würde des Sterbenden zu achten: "Der Mensch darf niemals zum Ersatzteillager werden."

Niemals dürfe es zu Erscheinungen eines "Organhandels" kommen, wie sie aus Indien berichtet würden, so Käßmann. Die Mediziner seien hier zu großer ethischer Anstrengung verpflichtet. Bei Organspenden müsse sichergestellt sein, dass der Sterbeprozess eines Menschen unumkehrbar sei. Laut Käßmann wurden im Jahr 2003 in Deutschland 4.175 Organe verpflanzt, darunter 2.111 Nieren. Sie wurden insgesamt 1.140 hirntoten Menschen entnommen. Doch allein 9.479 Nierenkranke warteten noch auf ein Spenderorgan. (epd Niedersachsen-Bremen/b1918/01.06.05)
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Die Predigt im Wortlaut: