105.000 Menschen feiern Abschluss-Gottesdienst

Nachricht 29. Mai 2005

Hannover (epd). Rund 105.000 Menschen haben zum Abschluss des 30. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hannover einen stimmungsvollen Gottesdienst unter freiem Himmel gefeiert. "Ihr alle seid ein Signal der Hoffnung", rief Kirchentagspräsident Eckhard Nagel den Gläubigen zu. Der Amsterdamer katholische Theologe Huub Oosterhuis sagte bei der von Bläser- und Sängerchören umrahmten Feier, die Kirche müsse an der biblischen Vision einer neuen Welt festhalten. Bereits am Vortag hatten die Veranstalter eine positive Bilanz gezogen. Der Kirchentag habe Impulse für die Ökumene gesetzt.

An den mehr als 2.500 Veranstaltungen hatten seit Mittwoch mehr als 105.000 Dauerbesucher teilgenommen. Das Treffen stand unter dem biblischen Leitwort "Wenn dein Kind dich morgen fragt...".

"Wir sind aufgebrochen, eine Kirchentagsbewegung im internationalen Rahmen zu werden", betonte Nagel im Schlussgottesdienst bei strahlendem Sonnenschein. Kirche müsse wieder politischer werden, wenn es darum gehe, christliche Wertüberzeugung im Alltag zu leben. "Rechnet mit uns, wir mischen uns ein."

Der niederländische Schriftsteller Oosterhuis mahnte Solidarität über alle Grenzen hinweg an. Viele kämen inzwischen zu der Einsicht, "dass die schamlose Ideologie des freien Marktes unsere öffentliche Moral immer wieder zerrüttet, unser Gewissen immer tiefer aushöhlt und unseren Protest gegen Unrecht entmutigt". Die Liturgie der Feier wurde geleitet von der Bischöfin der gastgebenden hannoverschen Landeskirche, Margot Käßmann.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, lud zum nächsten evangelischen Kirchentag im Juni 2007 nach Köln ein. Der Trierer katholische Bischof Reinhard Marx rief zur Teilnahme am 96. Deutschen Katholikentag im Mai 2006 in Saarbrücken auf.

Am Vortag hatten die Repräsentanten der beiden großen Kirchen, Bischof Wolfgang Huber und Kardinal Karl Lehmann, die Gemeinsamkeiten beider Konfessionen hervorgehoben. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Huber, warb um Ausdauer auf dem langen Weg zum gemeinsamen Abendmahl. Er wünsche sich, dass katholische und evangelische Christen beim Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München am Abendmahlstisch zusammen kommen könnten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Lehmann, unterstrich, dass nach katholischem Kirchenverständnis ein gemeinsames Abendmahl erst nach der Einheit der Kirchen möglich sei. Man müsse die "Geduld des Reifens zu schätzen wissen".

Viel Beifall erhielt am vorletzten Tag des Christentreffens Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). Vor rund 4.000 Zuhörern forderte er eine intensivere internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus und die Missachtung von Menschenrechten. Nur konsequente internationale Zusammenarbeit und der Einsatz militärischer Mittel helfe gegen Organisationen wie El Kaida weiter. Zugleich betonte der Außenminister, dass Sicherheit nur möglich sei, wenn der Reichtum gerechter verteilt werde.

Außer mit Fragen der Ökumene setzten sich die Besucher des fünftägigen Christentreffens unter anderem mit den sozialen Folgen der Globalisierung auseinander und griffen die Kapitalismusdebatte der vergangenen Wochen wieder auf. Zahlreiche Spitzenpolitiker der Bundesregierung und der Opposition besuchten den Kirchentag. Befürchtungen, das Treffen könne als Forum zum Wahlkampf genutzt werden, hätten sich aber nicht bestätigt, betonte Bischöfin Käßmann.

In vielen Diskussionen forderten Kirchenvertreter eine kinderfreundlichere Gesellschaft. Erstmals gab es beim Kirchentag ein Zentrum für Kinder zum Spielen und Basteln. Starken Zulauf hatten auch Bibelarbeiten und spirituelle Angebote. Bei einer "Langen Nacht der Kirchen" standen mehr als 90 Gotteshäuser der Stadt offen. Bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags feierten dort zehntausende Menschen Gottesdienste und besuchten Kulturveranstaltungen. (epd Niedersachsen-Bremen/b1887/29.05.05)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen