Nagel: Evangelischer Kirchentag gab Ökumene neue Impulse

Nachricht 29. Mai 2005

Lehmann schließt gemeinsames Abendmahl derzeit aus

Hannover (epd). Der 30. Deutsche Evangelische Kirchentag hat nach Ansicht seiner Veranstalter der Ökumene neue Impulse gegeben. Einen Tag vor der Schlussfeier zog Kirchentagspräsident Eckhard Nagel am Sonnabend in Hannover eine positive Bilanz. Die Repräsentanten der beiden großen Kirchen, Bischof Wolfgang Huber und Kardinal Karl Lehmann, hoben die Gemeinsamkeiten beider Konfessionen hervor. Sie bedauerten zugleich, dass auch zwei Jahre nach dem ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin gemeinsame Abendmahlsfeiern noch nicht möglich seien.

Nagel betonte, die Hoffnung der Protestanten auf Gastfreundschaft beim Abendmahl sei weiter ungebrochen. Dies wäre eine "freundliche Geste" auf dem Weg zum zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Das Treffen in Hannover sei auch ein Signal des Aufbruchs angesichts lähmender Spardebatten in den Kirchen gewesen, fügte er hinzu.

Das Ringen um die Einheit der Christen bestimmte auch am Sonnabend wieder viele Veranstaltungen des Kirchentages. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Huber, warb um Ausdauer auf dem langen Weg zum gemeinsamen Abendmahl. Er wünsche sich, dass katholische und evangelische Christen beim Zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München am Abendmahlstisch zusammen kommen könnten. Das nächste ökumenische Treffen könne dann im biblischen Sieben-Jahres-Rhythmus 500 Jahre nach der Reformation im Jahr 2017 stattfinden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Lehmann, unterstrich, dass nach katholischem Kirchenverständnis ein gemeinsames Abendmahl erst nach der Einheit der Kirchen möglich sei. Man müsse die "Geduld des Reifens zu schätzen wissen". Auf einem Podium der evangelischen Kirchenpresse äußerte der Kardinal "ein gewisses Verständnis", wenn Eheleute unterschiedlicher Konfession gemeinsam zum Abendmahl gingen. "Offizielles Programm" der katholischen Kirche sei dies aber nicht.

Die Bischöfin der gastgebenden hannoverschen Landeskirche, Margot Käßmann, erklärte, die Protestanten hätten mit dem Kirchentag ihr Profil deutlich geschärft. Trotz Krisenzeiten habe der christliche Glaube seine Kraft bewiesen. Befürchtungen, Politiker könnten den Kirchentag als Forum zum Wahlkampf nutzen, hätten sich nicht bestätigt.

Viel Beifall erhielt am vorletzten Tag des Christentreffens Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne). Vor rund 4.000 Zuhörern forderte er eine intensivere internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus und die Missachtung von Menschenrechten. "Wir müssen der Gewalt international entgegentreten", sagte der Grünen-Politiker. Nur konsequente internationale Zusammenarbeit und der Einsatz militärischer Mittel helfe gegen Organisationen wie El Kaida weiter. Zugleich betonte der Außenminister, dass Sicherheit nur möglich sei, wenn der Reichtum gerechter verteilt werde.

In einer Podiumsdiskussion zwischen Christen und Muslimen wurde für mehr Verständnis unter den Religionen geworben. Die Grenzen der Toleranz seien allerdings erreicht, wenn gegen das Grundgesetz verstoßen werde, sagte der hessen-nassauischen Kirchenpräsident Peter Steinacker. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, betonte die Gültigkeit des Grundgesetzes auch für Muslime. Gewalt entstehe nicht durch Verschiedenheit, sondern wenn Menschen sich nicht an die Werte ihrer Religion hielten.

Altbundespräsident Johannes Rau warnte in einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag davor, die Lösung der gesellschaftlichen Probleme allein in der Gerechtigkeit zwischen den Generationen zu suchen. Eine gerechte Verteilung der Lasten sei ebenso zwischen Starken und Schwachen oder Kinderlosen und Familien gefragt. (epd Niedersachsen-Bremen/b1779/29.05.05)
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Weihnachten bei 30 Grad
Hannover (epd). "Das Fest des Glaubens hat uns gut getan, das war wie Weihnachten bei 30 Grad." - Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann am Sonnabend in einer Bilanz des evangelischen Kirchentags in Hannover im Blick auf das sommerliche Wetter. (epd Niedersachsen-Bremen/b1771/28.05.05)