Mehr als 4.000 Jugendliche feierten in Hannover ihren Kirchentag

Nachricht 26. Mai 2005

Open-Air-Jugendgottesdienst völlig überfüllt

Von Jörg Nielsen (epd)
Hannover (epd). Nichts geht mehr am Donnerstagabend am Steintor in Hannover: Mehr als 4.000 Jugendliche und jung Gebliebene wollen am großen Open-Air-Gottesdienst der Jugend teilnehmen. Mit den blauen Kirchentagstüchern als Sonnenschutz und im Schneidersitz drängen sich die Jugendlichen zusammen. "Das ist wie eine große Familie", ruft ein Mädchen seiner Freundin zu.

Wahre Applausstürme brausen auf, als der Star der christlichen Popmusik, Sarah Brendel, ihren neuen Hit "Fire" live nur von einer akustische Gitarre begleitet im Gottesdienst singt. In den Vereinigten Staaten steigt das Lied in den Charts derzeit unaufhörlich nach oben. Ihre Botschaft an die jugendliche Kirchentagsgemeinde: "Egal was andere über euch reden - Gott meint es immer gut mit euch!"

Landesbischöfin Margot Käßmann findet in ihrer Predigt zum Thema "Glück" offenbar den richtigen Ton. Immer wieder wird sie durch zustimmenden Beifall unterbrochen. Glück, so Käßmann, habe in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Bedeutungen: Im Sudan bedeute Glück zu Essen, medizinische Hilfe und ein Obdach. In Deutschland würden ein Arbeitsplatz und Gesundheit als Glück definiert.

Glück, Gemeinschaft und Solidarität seien in der Bibel eng miteinander verbunden, betont die Bischöfin. Alle Menschen seien vor Gott gleich: "Das Kapitel über George W. Bush ist im Buch Gottes nicht länger als das des Jungen Leo, der bald in Südafrika an Aids sterben wird", sagt Käßmann.

Geradezu beklemmend still wird es auf dem Platz, als der ehemalige Bundesminister Erhard Eppler (SPD) von seinen Erlebnissen als junger Soldat am Bahnhof von Bergen-Belsen berichtet. Hilflos musste er mit ansehen, wie Männer der SS dem Tod geweihte ungarische Jüdinnen aus einem offenen Güterzug zerrten. "Für mich ist es heute ein Glück zu sehen, dass junge Menschen in Frieden und in einem demokratischen Rechtsstaat leben können", sagt Eppler.

Anke (13) aus dem nordhessischen Korbach ist auch nach dem Schluss-Segen noch völlig begeistert: "So macht mir Kirche Spaß. Ganz anders als Zuhause sonntags im Gottesdienst". Und der 15-jährige Max aus Berlin fügt schmunzelnd hinzu: "Und das während der Schulzeit." (epd Niedersachsen-Bremen/b1700/26.05.05)
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen