Bis zu 400.000 Menschen feiern den Auftakt des Kirchentages

Nachricht 26. Mai 2005

Von Michael Grau (epd)
Hannover (epd). Die "Ostfriesen-Meile" am Leineufer in Hannover ist dicht umlagert: "Der muss knacken", sagt Küster Arnold Grunwald (53) aus Emden, wirft zwei Stücke Kluntjes-Zucker in die Tasse, gießt aus einer bauchigen Metallkanne heißen Tee darüber und verfeinert ihn mit einem Löffel Schlagsahne. "Aber nicht umrühren. Die sackt ab und kommt als Wölkchen wieder hoch." Echter Ostfriesen-Tee mit "Krintstuut", Rosinenbrot mit viel Butter, ist eine der Spezialitäten, mit denen die Protestanten aus Niedersachsen am Mittwoch bei "Abend der Begegnung" die Besucher des 30. Deutschen Evangelischen Kirchentags begrüßen.

Bis zu 400.000 Menschen haben sich nach den Gottesdiensten zur Eröffnung des Treffens in der Innenstadt versammelt und verwandeln sie in eine einzige große Partyzone. Damit wurden die Erwartungen bei weitem übertroffen. Das Gedränge ist groß, besonders an den großen Bühnen kommen die Gäste fast nur im Zeitlupen-Tempo voran. Auf Straßen und Plätzen reihen sich 400 Stände von Kirchengemeinden und Einrichtungen aneinander. Popklänge von 13 Bühnen mischen sich mit Bläserchorälen.

Bei sommerlichem Wetter haben sich viele Besucher die Jacken um die Hüften gebunden. Viele tragen den blauen Klimaschal, der zum Erkennungszeichen der Kirchentags werden soll. Unter die Besucher hat sich auch Bundespräsident Horst Köhler gemischt. Er nimmt den "Abend der Begegnung" wörtlich und gibt zahlreiche Autogramme.

Ilona und Christina aus Schwanewede bei Bremen sind das erste Mal bei einem Kirchentag. "Es ist sehr voll hier, aber überall nette Leute", ist ihr erster Eindruck. Beim Kirchentag wollen die beiden 16-Jährigen "einfach was erleben". Genauere Vorstellungen hat der 51-Jährige Reinhard, Augenoptiker aus Oldenburg. Er ist schon zum dritten Mal beim Kirchentag und will sich diesmal vor allem über Gentechnik und Aids austauschen. "Außerdem möchte ich wieder neue Leute kennenlernen."

Nebenan am Stand des "Zirkus Mima" aus Hildesheim, kann man über ein Hochseil balancieren. Der elfjährige Nico, der mit seiner Familie zum Kirchentag gekommen ist, versucht es. "Du schaffst es", ruft ihm ein Betreuer zu, der ihn an der Hand hält. Noch ein Schritt, und Nico ist am Ziel. Die Umstehenden klatschen Applaus. "Wenn man sich konzentriert, ist es einfach", erzählt er hinterher.

Schräg gegenüber hat sich eine Frau als Harzer Hexe verkleidet und versucht, den Besuchern das Jodeln beizubringen. Den Text hat sie sicherheitshalber in großen Buchstaben auf ein Stück Pappe geschrieben: "Hol-La-Hu-Di". Einen Stand weiter kann man den Harz auch kulinarisch erleben. Es gibt echten Harzer Roller: Brot mit Griebenschmalz in zwei dicken saftigen Scheiben Harz-Käse. Mit einem Glockenkonzert von sechs Kirchtürmen ging das Straßenfest am späten Abend zu Ende. (epd Niedersachsen-Bremen/b1658/25.05.05)
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