Kirchentag kehrt in seine Geburtsstadt Hannover zurück

Nachricht 17. Mai 2005

Von Burkhart Vietzke (epd) =

Hannover (epd). Hannover hat vielfältige Erfahrungen mit dem Kirchentag: Hier wurde er 1949 gegründet, kam 1967 und 1983 wieder in die Stadt. Damals, vor 22 Jahren, verwandelte sich Hannover in ein Meer von lila Tüchern mit dem Protest gegen Massenvernichtungswaffen. In diesem Jahr, beim 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag, werden blaue Schals angeboten als Warnung vor dem Klimawandel. Vom 25. bis 29. Mai kommen voraussichtlich 100.000 Dauerteilnehmer in die niedersächsische Landeshauptstadt.

Zum ersten Mal wird es eine "Lange Kirchentagsnacht" am 28. Mai geben, zu der mehr als 90 Kirchengemeinden einladen. Die ganze Vielfalt der lutherischen, katholischen und reformierten Gemeinden und der Freikirchen in der Stadt mit rund 500.000 Einwohnern soll deutlich werden. Im Jahr 1533 hatten es die Bürger geschworen: Die Stadt wird lutherisch. Katholiken, Reformierte und Juden mussten draußen bleiben, nur vor den Toren durften sie ihre Gotteshäuser bauen.

Heute ist Hannover "die Hauptstadt des deutschen Protestantismus", wie Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg gern sagt. Sie beherbergt vier
Kirchenleitungen: die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche als Freikirche.

Hannover hat als Expo- und Messestadt Erfahrung mit Gästen. Die Weltausstellung Expo 2000 zog 18 Millionen Besucher an. Die erste Export-Messe fand hier 1947 statt. 736.000 Besucher in 21 Tagen wurden mit inzwischen legendär gewordenen Fischbrötchen verpflegt. Heute rühmt sich die Hannover-Messe als größte Industriemesse der Welt. Aus ihr ging die ebenfalls weltbekannte Elektronik-Messe CeBIT hervor. Und trotz großer Hotelkapazitäten ist die "Messe-Mutti" nicht ausgestorben, die Aussteller und Besucher mit Bett und Frühstück versorgt.

Das wollen die Hannoveraner auch den Kirchentagsbesuchern zukommen lassen, aber kostenlos. Die benötigten 12.000 Privatquartiere haben sich schon gefunden. Schmalstieg weiß, dass dadurch oft Freundschaften fürs Leben entstehen. Als dienstältester Oberbürgermeister Deutschlands hat er bereits den Kirchentag 1983 mit aus der Taufe gehoben. Die Menge der jüngeren Teilnehmer übernachtet in Gemeinschaftsquartieren.
Niedersachsen hat dafür die Schulen freigemacht.

Land und Stadt ziehen mit: Ministerpräsident Christian Wulff, katholisch, und Oberbürgermeister Schmalstieg, evangelisch, halten Bibelarbeiten. Theater, Oper, Museen und freie Initiativen stellen sich auf den Kirchentag ein. Konzerte reichen von Bach bis Franz Wittenbrink, der einen eigenen Liederabend mit "richtigen Fragen und unpassenden Antworten" zum Kirchentagsmotto "Wenn dein Kind dich morgen fragt..." zusammengestellt hat. Mehr als 80 Veranstaltungen umfasst allein das Kulturprogramm der Stadt.

Auch die Kirchen sorgen dafür, dass die Teilnehmer nicht nur das Messegelände im Süden der Stadt kennenlernen. Auch Bühnen und Podien in der Innenstadt locken Passanten an. Zu dem dreitägigen Angebot "Kinder im Zentrum", ebenfalls eine Neuerung, wird mit täglich mehreren tausend kleinen Mitmachern gerechnet. Zum Abend am 25. Mai werden 300.000 Teilnehmer und Mitwirkende erwartet. Zum Abschluss des Abends vereinen sich 30 Glocken der Innenstadtkirchen mit Chor, Handglocken und Elektronik zu einem nächtlichen Konzert. (epd
Niedersachsen-Bremen/b1463/11.05.05)

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